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Nordische Ski Weltmeisterschaften, Seefeld 2019


Ein ganz persönlicher Rückblick

Die Ergebnis-Berichterstattung zu den Nordischen Ski Weltmeisterschaften in Seefeld lässt keine Wünsche offen: Zeiten, Platzierungen, Medaillenspiegel und Statements von Aktiven, Trainern und Betreuern standen viele Tage lang im Mittelpunkt der Sportberichterstattung in TV, Internet und Printmedien.

Doch es gab auch Unerwartetes, Kurioses und Erwähnenswertes positiver und negativer Art abseits der großen Schlagzeilen ...

Tag 1: Die Eröffnungsfeier

Man kennt es ja bereits von vielen anderen Eröffnungsfeiern: Reden von Politikern und Funktionären, verdiente Sportler, die die offizielle Fahne hereintragen. Und der Hinweis, dass die Meisterschaften nun eröffnet sind, darf natürlich auch nicht fehlen. Dazu ein Showprogramm mit lokalen Größen aus dem Show Business. Im Falle Seefelds dann noch ein Auftritt des Geigen-Virtuosen David Garrett. Der Geiger startet seine Darbietung mit dem Auge des Tigers, „Eye of the Tiger“.

Und beendet ihn auch mit diesem Stück.


Mitten in das „Auge des Tigers“ hinein beginnt zum Abschluss der Eröffnungsfeier das große Höhenfeuerwerk. Während der Geiger bereits die Bühne verlassen hat, startet „Eye oft he Tiger“ erneut, diesmal aus der Konserve, und untermalt das sehenswerte Feuerwerk bis zum letzten Böllerschlag.

David Garrett sitzt zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon in einem Shuttle des Fahrdienstes. Welches Honorar der Geiger für seinen vielleicht dreiminütigen Auftritt einstreichen darf, ist nicht bekannt.

Vielleicht hat er aus Liebe zum Nordischen Wintersport ja auf eine Bezahlung verzichtet.

Tag 2: Ein klein wenig Karneval

Es ist nicht mehr lange hin bis zu den drei tollen Tagen. Vertreter verschiedener Nationen scheinen Seefeld für einen Test ihrer Karneval-Kostüme ausersehen zu haben. Väterchen Frost ist anwesend, hat sogar ein nettes Mädel aus seiner russischen Heimat mitgebracht. Schwarz-Rot-Gold im modischen Strick-Look. Und aus Norwegen sind sogar ein paar Elche angereist! Na ja, bei näherem Hinsehen wird dann doch deutlich, dass nur einzelne Teile des nordischen Elchs ihren Weg nach Seefeld gefunden haben.

Bunt ist´s auf jeden Fall. Und friedlich! Ganz anders als manchmal beim Fußball ...


Tag 3: Vom König zum Kaiser

Von seinen 39 Einzelsiegen im Weltcup hatte Eric Frenzel 13 in einem kleinen Tiroler Ort mit dem schönen Namen Seefeld gefeiert. Allerdings lief Frenzel im bisherigen Saisonverlauf seiner Form ein wenig hinterher. Vor allem mit dem Springen wollte es im Vorfeld der Weltmeisterschaften einfach nicht klappen. Anstatt sich weiter in den Weltcup-Veranstaltungen zu plagen, hatte er in den Wochen vor dem ersten Wettbewerb in Seefeld intensiv trainiert. Und dabei seine Sprungform wiedergefunden.


In der ersten Disziplin der Nordischen Kombination, dem Springen, beweist Frenzel seine wiedergewonnene Stärke und setzt den weitesten Sprung in den Schnee. Als Erster geht er dann ein paar Stunden später in den Langlaufwettbewerb über 10 Kilometer, hält sich konsequent in der Spitzengruppe und zieht an der letzten Steigung unaufhaltsam davon. Mit Sieg Nummer 14 wird aus dem König Eric Frenzel der Kaiser von Seefeld. So oder ähnlich sind am nächsten Tag zumindest einige Artikel über den Weltmeister überschrieben.

Vielleicht entschließt man sich in Seefeld ja dazu, demnächst eine Straße nach Eric Frenzel zu benennen. Auf den Titel „Kaiser“ oder „König" im Straßennamen könnte man ja verzichten.

Tag 4: Therese Johaug - Keine Dominanz beim Boxenstopp

Im Oktober 2016 begann die 18monatige Doping-Sperre der Norwegerin Therese Johaug. Angeblich hatte sie eine Lippencreme benutzt, die verbotene Substanzen enthielt. Seit April 2018 durfte Johaug wieder an offiziellen Wettbewerben teilnehmen.


Da Therese Johaug in der Saison 2018/19 einige Erfolge im Weltcup feiern konnte, wird ihr Auftreten bei den Weltmeisterschaften mit Spannung erwartet. Ihren ersten Auftritt in Seefeld hat die Norwegerin dann im Skiathlon, bei dem jeweils 7,5 Kilometer im klassischen Stil und im Skating zurückgelegt werden müssen.

Das Rennen ist erst wenige Minuten alt, als sich Johaug von ihren Konkurrentinnen absetzt. Beim Skiwechsel nach 7,5 Kilometern beträgt ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte, ihre Landsfrau Ingrid Flugstad Oestberg, bereits 24 Sekunden, und auch den zweiten Teil des Rennens dominiert Johaug klar. Mit einem Vorsprung von 57,6 Sekunden auf die am Ende zweitplatzierte Schwedin Frida Karlsson wird sie unangefochten Weltmeisterin 2019 im Skiathlon.

Beim Boxenstopp zur Hälfte des Rennens reicht es für Johaug allerdings nur zu einem eher enttäuschenden fünften Platz. Den Ski-Wechsel nach 7,5 Kilometern absolviert die Deutsche Sofie Krehl als Beste. Sie ist in diesem Teilbereich 1,3 Sekunden schneller als die Norwegerin.

Und das ganz bestimmt ohne Lippencreme.


Tag 5: Der Marathon nach dem Rennen

Weniger als 29 Minuten benötigten die drei besten Mannschaften im 2 x 7,5 Kilometer Team Sprint der Nordischen Kombination. Darauf folgt dann für die Sportler der anstrengende Part.

Glückwünsche entgegennehmen. Umziehen. Das Renn-Equipment austauschen gegen extra präparierte Sets von Skiern und Stöcken, die garantieren, dass Namen und Logo des Ausrüsters bei den Interviews auf jeden im Blickfeld der Fernsehkameras sind. Erste Interviews in der Mixed Zone. Flower Ceremony. Fotografen ohne Ende. Hochwertige Objektive mit großen Brennweiten.

Zurück in die Mixed Zone. Medien-Vertreter und TV-Teams aus aller Welt. Gesendet wird Live und in Farbe. Die Sonne scheint - da steht man gern auf der Mixed Zone Tribüne. Die Norweger halten es am längsten aus. Werden die Menschen aus Europas hohem Norden nicht immer als besonders schweigsam und zurückhaltend beschrieben?

Nach einer Stunde geht es ins Pressezentrum. Fotos für Veranstalter und Sponsoren. Erneut das bekannte Frage-und-Antwort-Spiel mit Medienvertretern aus aller Welt. Mikrofone und Diktiergeräte zeichnen jedes Statement auf. Der eine oder andere Athlet wird zu einem Live-Auftritt ins Fernsehstudio auf dem WM-Gelände gebeten. Und alle wollen natürlich noch zur Siegerehrung auf die WM-Bühne.

Irgendwann geht es dann auch zur Doping-Kontrolle. Hoffentlich haben die Medaillengewinner der Nordischen Kombination auch hier richtig kombiniert und genügend Flüssigkeit zu sich genommen.

 

Tag 6: Ruhetag

Heute meiden wir das WM-Gelände. Es muss auch einmal ohne gehen ...

Tag 7: Zu warm ...

Die Sonne scheint immer noch, die Temperaturen sind alles andere als winterlich. Sportler und Sportlerinnen reagieren unterschiedlich auf die ungewohnt hohen Temperaturen, nicht jedes Herz-Kreislauf-System ist bereit den Körper problemlos auf Höchstleistung zu schalten. Zudem ist der Schnee schwer und die Skier kommen nicht wie gewohnt ins Gleiten.

Läuferinnen zeigen Haut, sowohl auf der Piste als auch nach dem Zieleinlauf  Bei mehr als zehn Plusgraden verzichten einzelne Athletinnen auf Langarm-Shirts und lange Laufhosen. Und der Kleiderwechsel nach dem Zieleinlauf kann dann bei Bedarf auch schon mal unter freiem Himmel durchgeführt werden.

An anderen Tagen verzichten einige männliche Kollegen sogar ganz auf die sportart-spezifische Oberbekleidung und gehen oben herum nur mit der Startnummer bekleidet an den Start ihres WM-Rennens.


Tag 8: "Austria is a too small country to make good doping."

Bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld werden sieben Personen festgenommen, dazu zwei in Erfurt. Ein Sportler, der österreichische Langläufer Max Hauke, wird sogar bei der Eigenbluttransfusion mit der Nadel im Arm überrascht. Die Razzien in Erfurt und Seefeld waren von langer Hand vorbereitet.


Zunächst herrscht großes Rätselraten um die Identität der beteiligten Sportler. Ein Blick in die Startlisten für das 15 Kilometer Rennen der Männer am gleichen Tag bringt Klarheit: Der Österreicher Max Hauke, die Esten Andreas Veerpalu und Karel Tammjärv sowie der Kasache Alexeij Poltoranin sind in den Startlisten aufgeführt, nehmen aber nicht am Rennen teil. Zu den Inhaftierten Sportlern zählt zudem Dominik Baldauf, wie Hauke Angehöriger der österreichischen Polizei.

"Austria is a too small country to make good doping.", hatte Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes, anlässlich des Dopingskandals rund um das österreichische Langlauf-Team bei den Olympischen Spielen 2006 vor einer Hundertschaft internationaler Journalisten verkündet.

Den neuerlichen Skandal im Umfeld der Seefeld-WM kommentiert Schröcksnadel wie folgt: „Die Zentrale ist schon in Deutschland, aber auf die Österreicher wird jetzt hingehaut.“ Darüber hinaus schwadroniert der immer noch amtierende ÖSV-Präsident (77 Jahre), er habe gehört, es seien auch deutsche Sportler betroffen, und man könne „das nicht immer auf das kleine Österreich abschieben“.

Probleme im eigenen Verband werden ignoriert oder kleingeredet. Problembewältigung á la Schröcksnadel.

Tag 9: Norwegen feiert immer noch

Tausende trinkfreudiger Norweger sind weiterhin in Feierlaune. 1 x Gold und 1 x Silber sind die Medaillenausbeute des heutigen Tages. Restaurants, Cafés und Getränkestände werden zum Treffpunkt trinkfreudiger norwegischer Fans. Wer böse Worte oder Krawall befürchtet, wird schnell eines Besseren belehrt. Die positive, angenehme Stimmung, die in den Fan-Lagern bei dieser WM herrscht, wird auch durch den Alkoholkonsum in keiner Weise beeinträchtigt. Im Laufe der Zeit wird die Aussprache hier und da ein wenig undeutlicher, und der eine oder andere Kopf neigt sich langsam in Richtung Tischplatte. Vielleicht liegt das aber gar nicht am Alkohol, sondern am Gewicht der Wikinger-Helme, die auf etlichen dieser Köpfe sitzen.

Die Preise für Essen und Getränke sind vor Ort nicht gerade günstig. So muss man für eine Original Thüringer Bratwurst mit Brötchen an der Medal Plaza mehr als sechs Euro auf den Tresen der Imbissbude legen. Aber die Norweger sind zu Hause ja noch weitaus höhere Preise, vor allem für Alkoholika, gewohnt. Je mehr man hier in Seefeld trinkt, desto mehr spart man.


Tag 10: Vom Schneefall ausgebremst

Heute ist es winterlich, Wolken und ein wenig Niederschlag. Der Sprungwettbewerb der Männer auf der Normalschanze läuft. Nach dem ersten Durchgang führen mit Ryoyu Kobayashi und Karl Geiger zwei Springer, die man durchaus auf diesen Plätzen erwarten konnte. Nach den ersten Springern im zweiten Durchgang setzt Schneefall ein.


Die vom Schneefall betroffenen Springer müssen eine bis zu drei Stundenkilometer geringere Geschwindigkeit in der Anlaufspur hinnehmen. Und geringere Anlaufgeschwindigkeit zieht zwangsläufig geringere Weiten nach sich. Den Wettbewerb gewinnen Springer, die nach dem ersten Durchgang auf den Positionen 27, 18 und 10 geführt wurden. Die beiden Führenden des ersten Durchgangs müssen sich mit den Plätzen 14 und 18 zufriedengeben.

Glücklicherweise spülen die Wetterkapriolen keine Unbekannten nach oben. Mit Dawid Kubacki, Kamil Stoch und Stefan Kraft stehen verdiente Weltklasse-Athleten auf dem Podium. „Es war grausig zum Anschauen und grausig zum Springen.“, bewertet der Österreicher Stefan Kraft im Nachgang das irreguläre Springen.

Mit Ende des Wettkampfes beschließt der Himmel, dass es mit dem Schneefall für den Rest des Tages reicht. Bleibt die Frage, warum man ausgerechnet bei den Weltmeisterschaften den Wettbewerb mit aller Gewalt durchzieht. Eine 20minütige Unterbrechung wäre ausreichend gewesen, um allen Athleten einen fairen Wettkampf unter vergleichbaren Bedingungen zu ermöglichen.

Tag 11: Und noch einmal Skispringen  

Zugegeben: Häufig sind sich die Punktrichter bei der Beurteilung eines Sprungs mehr oder weniger einig. Allerdings fällt auf, dass Punktrichter immer wieder zu einer niedrigen Punktvergabe neigen, wenn es darum geht, die Leistung einer Springerin oder eines Springers zu bewerten, der in direkter Konkurrenz zu einem Athleten aus dem Land des entsprechenden Punktrichters steht.

Sowohl die niedrigste als auch die höchste Bewertung der fünf Punktrichter werden gestrichen, so dass schließlich drei Noten in die endgültige Bewertung eines Sprunges eingehen. Auf diese Weise werden absichtliche oder zufällige Fehlbewertungen relativiert. Wo sportliche Leistung der individuellen Bewertung durch Kampf- oder Punktrichter unterliegt, wird es immer wieder zu Fehleinschätzungen und Ungerechtigkeiten kommen. Die beim Skispringen genutzte Variante bemüht sich durch die Nutzung zweier Streichergebnisse um Gerechtigkeit.

Trotzdem wäre es interessant, das Wertungsverhalten über eine gesamte Saison hinweg einmal einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Hier wäre zu untersuchen, welchen Einfluss die Nationen-Zugehörigkeit von Punktrichtern und Springern unter Berücksichtigung der jeweiligen Wettkampfsituation auf die Notenvergabe ausübt.

Welches Institut der Sportwissenschaften nimmt sich dieser Aufgabe an?


Tag 12: Es reicht

Heute steht das 50 Kilometer Rennen der Männer auf dem Programm. Sicherlich gewinnt am Ende wieder ein Norweger!

Das muss heute mal ohne uns stattfinden. Wir packen und starten früh in Richtung Heimat.

Im Internet verfolgt der Beifahrer den Rennverlauf am Smartphone.
Weltmeister wird Hans Christer Holund – natürlich ein Norweger!

Rainer Paepcke