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Corona-Pandemie (#2)

Leere Ränge

Extrawurst für den Fußball - Saison-Fortsetzung im Mai?

Am 8. April vermeldete der Deutsche Leichtathletik-Verband auf seiner Internetseite einen vorübergehenden Veranstaltungsstopp. Bis zum 19. Juli 2020 werden keine Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik stattfinden; dieser Stopp betrifft Meisterschaften in allen Altersklassen und Disziplinen.

Fast zeitgleich veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) detaillierte Pläne für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs Anfang Mai. Was treibt die Verantwortlichen im Umfeld des Profi-Fußballs an, und wie sinnvoll und realistisch sind die Vorstellungen von Funktionären und Clubs?

Sonderrolle des Fußballs nicht auf andere Sportarten übertragbar

Bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs sollen alle Begegnungen als „Geisterspiele“, also ohne Zuschauer in den Stadien, durchgeführt werden. Mögliche Einnahmen aus Ticket-Verkäufen spielen keine Rolle, die DFL zielt vielmehr auf die Zahlungen aus den Verträgen zu TV-Übertragungsrechten, die in der Finanzplanung der Profiklubs mittlerweile weitaus wichtiger sind als die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten.

Ohne die TV-Gelder prognostizieren einige Clubs aus den drei Top-Ligen eine drohende Insolvenz bereits im Mai oder Juni. Eine Insolvenz, die durch „Geisterspiele“ möglicherweise abgewendet werden kann.

Der Profifußball nimmt in der deutschen Sportlandschaft bei der Ausschüttung von TV-Geldern eine Sonderrolle ein. Im Handball, Basketball oder Eishockey fließen die Zuwendungen aus TV-Übertragungen weitaus spärlicher. Diese Sportarten sind vielmehr auf die Eintrittsgelder angewiesen, Geisterspiele sind hier keine Alternative. Um ihre laufenden Zahlungen zu verringern, haben Clubs in diesen Sportarten bereits Spielerverträge aufgelöst und Angestellte in Kurzarbeit geschickt.

Die Fortsetzung der unterbrochenen Fußball-Saison ist unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicherlich verständlich. Aber ist die Wiederaufnahme der Spielrunde bei Einbeziehung gesellschaftlicher und gesundheitlicher Aspekte überhaupt vertretbar?

Gesundheitliche Aspekte

Alle Akteure sollen regelmäßig daraufhin getestet werden, ob eine Infektion mit dem Corona-Virus vorliegt. Tests im Abstand von jeweils drei Tagen sind angedacht. Der Virologe Alexander Kekule hat den Bedarf an Tests hochgerechnet und kommt auf eine Summe von etwa 20.000 Schnelltests bis zum Saisonende. Sind Test-Kits in ausreichender Anzahl vorhanden und steht auch eine entsprechende Laborkapazität zur Auswertung der Tests zur Verfügung, dürften 20.000 zusätzliche Tests zu verkraften und vielleicht auch zu verantworten sein. Ganz anders aber sieht es aus, wenn Engpässe bei Material und Auswertung bestehen und die für den Fußball abgezweigten Ressourcen an anderer Stelle dringend benötigt würden.

Nicht unterschätzen sollte man auch die Kontakte, die bei den ständigen Ortswechseln der Profi-Fußballer zwangsläufig auftreten, sei es in Verkehrsmitteln, Hotels oder Restaurants. Das vielzitierte social distancing, also das Einhalten der gebotenen Abstandsregeln zur Vermeidung von Infektionen, wird hier sicherlich nicht immer möglich sein.

239 Menschen sollen sich pro Spiel im Stadion aufhalten dürfen, davon 126 im Innenraum und 113 auf den Tribünen, darunter insgesamt 30 Ordner. In welchem Umfeld diese 30 Ordner im Stadion für Ordnung sorgen sollen, ist kaum nachvollziehbar. Eher zu verstehen ist dagegen die Anwesenheit von 50 weiteren Ordnern außerhalb des Stadions, die sich vornehmlich um jene Anhänger kümmern sollen, die trotz einschlägiger Verbote zum Stadion kommen. Und beim Torjubel den gebotenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ganz sicher nicht einhalten. Bleibt noch das Bedürfnis der Fans, das Erlebnis Fußball auch bei einer TV-Übertragung als Gruppenerlebnis zu begehen, sei es in der heimischen Wohnung oder im Hinterzimmer der Stammkneipe.

Gesellschaftspolitische Aspekte

Wie sich die Politik zu einer Wiederaufnahme der Spielrunde positionieren wird, ist derzeit nicht absehbar; sinnvoll wäre sicherlich eine Entscheidung auf Bundesebene. Die einzelnen Bundesländer präsentierten schon bei der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs unterschiedliche Regularien, erlaubten mal das Training in Kleingruppen von zwei oder drei Personen, ließen in anderen Regionen aber auch fünf oder sieben Spieler gemeinsam trainieren. Dass diese Regeln und auch die über allem schwebenden Abstandsregeln nicht immer eingehalten wurden, ist mehrfach durch Fotos belegt.

Sollte die Politik tatsächlich eine Wiederaufnahme der Spielrunde unterstützen, muss sie sich die Frage gefallen lassen, warum ausgerechnet für den Fußball bestehende Regeln außer Kraft gesetzt werden. Die Vorzeige-Ligen und Top-Athleten anderer Sportarten werden mit Fug und Recht Unterstützung für ihre eigenen Pläne und Belange einfordern.

Wer nicht gerade eingefleischter Fußballfan ist, wird eine Entscheidung pro Fußball ohnehin nicht akzeptieren. Fantasiegehälter für Kicker und Clubs, die es versäumen Rücklagen für Notsituationen zu bilden, tragen ganz bestimmt nicht dazu bei, dass am Sport nicht Interessierte oder Anhänger anderer Sportarten Verständnis für fußballbezogene Extrawürste aufbringen.

Stimmen aus der Fußball-Liga

Dass Aktive und Funktionäre in den Vereinen nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen eine Fortsetzung der Saison erhoffen, ist nicht verwunderlich. Allerdings mehren sich auch die Stimmen von Insidern, die das Thema in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext stellen und vor einem Alleingang um jeden Preis warnen.

Joshua Kimmih, FC Bayern München: "Ich glaube schon, dass sich viele bestimmt freuen würden, wenn sie wieder Fußball schauen könnten, auch wenn erstmal dauerhaft vor dem Fernseher. Auf der anderen Seite ist es dennoch schwierig und muss begründet und gesellschaftlich tragfähig sein. Die Gesundheit der Menschen steht über allem und muss daher die Grundlage bei allen zu treffenden Entscheidungen sein." (Quelle: ZDFtext 12.04.2020 / Abendzeitung München)

Dieter Hecking, Trainer Hamburger SV: "Niemand in der Bevölkerung soll das Gefühl haben, dass der Fußball einen unverantwortlichen Alleingang unternimmt. Wir müssen uns strikt an die Entscheidungen der Politik halten. Das finde ich wichtig." (Quelle: ZDFtext 12.04.2020 / Hamburger Abendblatt)