Bundesweite Termine

06.11.2020
Berlin

Mitgliederversammlung: DOG-Präsidium mit bekannten und neuen Namen

05.11.2020
Nachruf

Ehrenmitglied Hubert Hey verstorben

19.10.2020
Bundes-Delegiertenversammlung

Absage der VI. Delegiertenversammlung

16.10.2020
Odenwald

25. Ehrung „Junge Könner brauchen Gönner“

16.10.2020
Darmstadt

Dezentrales Sport- und Spielfest: „Ihr seid mit Abstand die Besten“

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Corona-Pandemie (#4)

Basketball: Wiederaufnahme fraglich
Basketball: Wird das Spielfeld in dieser Saison noch einmal aufgebaut?

Verwirrspiel um Aufstieg, Abstieg, Meisterschaft

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) möchte die unterbrochene Saison der Profiligen im Mai wieder aufnehmen und die Spielzeit regulär abschließen. Geisterspiele sind geplant, die Spiele sollen jedoch im TV übertragen werden und den Clubs Millionen aus den Verträgen mit den Fernsehsendern sichern. In einigen anderen europäischen Top-Ligen (England, Italien, Spanien, Frankreich) würden die Einnahmen aus TV-Übertragungen den Clubs ebenfalls ein finanzielles Überleben sichern. In vielen europäischen Ligen stellen jedoch die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten den größten Teil des benötigten Budgets dar.

Angesichts der Corona-Pandemie und der nur äußerst geringen Aussicht, die Spielzeit 2019/2020 vor Publikum abschließen zu können, beschloss der belgische Fußballverband Pro League in den ersten April-Tagen, die Saison abzubrechen. Der Europäische Fußballverband (UEFA) zeigt sich von dieser Entscheidung allerdings überhaupt nicht begeistert und droht seinen Mitgliedern in einem Schreiben mit dem Ausschluss von den europäischen Pokalwettbewerben Champions League und Europa League. Die UEFA macht geltend, dass die Teilnahme an den europäischen Club-Wettbewerben anhand der erreichten sportlichen Ergebnisse am Ende eines vollständigen nationalen Wettbewerbs festgelegt wird. Die nationalen Verbände sollen die noch verbleibenden Spieltage bis zum Saisonende tunlichst durchziehen. Die aktuelle internationale Gesundheitskrise scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Die UEFA übt Druck aus

Das Druckmittel der UEFA ist einmal mehr das Geld. Nirgendwo lässt sich im europäischen Fußball mehr verdienen als in den Wettbewerben Champions League und Europa League. Das Ziel der UEFA ist es, einen Domino-Effekt zu vermeiden und die noch nicht finale belgische Entscheidung möglichst zu kippen. Am 15. April sollten die Verantwortlichen in Belgien endgültig beschließen, ob man bei der bisherigen Entscheidung bleibt oder ob man sich dem Druck der UEFA beugt. Mittlerweile wurde die Entscheidung auf den 24. April vertagt.

In Belgien soll der mit 15 Punkten Vorsprung die Tabelle anführende FC Brügge zum Meister gekürt werden. Auch in der englischen Premier League ist ein Club der Konkurrenz weit enteilt: Der FC Liverpool hat bei noch neun ausstehenden Spielen satte 25 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Manchester City. Angeblich haben sich die Clubs der Liga bereits dafür ausgesprochen, den FC Liverpool im Falle eines Saisonabbruchs zum Meister zu erklären. Ein Zeichen für gelebtes Fair Play.

Fußball Bundesliga

Anders sieht es in den Top-Ligen anderer Verbände aus. Die deutsche Bundesliga hat ebenfalls noch neun Spieltage zu absolvieren, die Punktabstände lassen aber weder im Auf- und Abstiegskampf noch bei der Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe eine eindeutige Tendenz erkennen. Wer oben steht oder derzeit keinen Abstiegsplatz innehat, wird einen Abbruch der Saison begrüßen. Andere sehen sich um ihre Chancen auf ein besseres Abschneiden gebracht.

Da derzeit davon ausgegangen werden muss, dass 2020/2021 Wettbewerbe in Champions League und Europa League durchgeführt werden, muss ein Meister gekürt werden und Teams für die internationalen Wettbewerbe benannt werden. Modelle zu Auf- und Abstieg werden diskutiert, eine Saison ohne Absteiger ist im Gespräch, der Aufstieg in die nächst höhere Liga soll allerdings stattfinden. Auf Relegationsspiele möchte man verzichten, der Drittplatzierte der unteren Liga soll in seiner Spielklasse verbleiben, da er nicht nachweisen kann, aus den Relegationsspielen als Sieger hervorgegangen zu sein. Dem Drittletzten der höheren Liga unterstellt man dagegen unausgesprochen, dass er die Relegationsspiele erfolgreich abgeschlossen hätte. Und fraglich ist natürlich auch, ob die derzeit Erst- und Zweitplatzierten der unteren Liga diese Positionen tatsächlich auch bis zum Saisonende hätten behaupten können?

Wie man sieht, sind alle Entscheidungen zu Auf- und Abstieg und auch zum Thema Meisterschaft nicht einfach zu treffen. Ob man einzelne Sachverhalte als gerecht oder ungerecht einstuft, dürfte im Wesentlichen davon abhängen, in welcher Form der Lieblingsclub des Betrachters von diesen Entscheidungen betroffen ist.

Ein Blick in den hessischen Sport veranschaulicht das Dilemma.

Kegeln

Die Zweitliga-Keglerinnen des SVS Griesheim hatten den Aufstieg in das Oberhaus sicher. Bereits drei Spieltage vor Rundenschluss war ihnen der Aufstieg nicht mehr zu nehmen, 90 Prozent der Rundenspiele waren zu diesem Zeitpunkt absolviert. Der Sportfachverband hatte aufgrund der Corona-Pandemie eine Annullierung der Spielrunde beschlossen - der Traum vom Aufstieg war geplatzt. (Quelle: Echo-Online, 24.03.2020)

Basketball

Der Hessische Basketball Verband (HBV) erklärt am 12. März auf seiner Internetseite den Spielbetrieb der Saison 2019/20 für beendet. „Die Sicherheit und Gesundheit unserer Spielerinnen und Spieler, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, Besucherinnen und Besucher, Eltern, Ehrenamtlichen und allen Unterstützern muss in diesen Zeiten mehr wiegen, als der verständliche Wunsch, unser Hobby ausüben zu dürfen. Es gelten die aktuellen Tabellen (12.03.2020) als Abschlusstabellen der Saison.“. Zu Auf- und Abstiegsregelungen äußert sich der HBV zu diesem Zeitpunkt nicht, da zunächst die Entscheidungen der 2. Bundesliga und der Regionalligen abgewartet werden müssen. Den Clubs bleibt Hoffen und Bangen. Und vielleicht ein Blick in die vielzitierte Kristallkugel.

Handball

Ebenfalls am 12. März gibt auch der Hessische Handball Verband (HHV) auf seiner Internetseite die Einstellung des Spielbetriebs und das Saisonende bekannt. Bezüglich Auf- und Abstieg bezieht der HHV deutlich Stellung: „Die Auf- und Abstiegsregelungen zur und für die folgende Spielrunde 2020/2021 werden mit dem Tabellenstand der jeweiligen Spielklasse vom Freitag, den 13.03.2020 gewertet.“ Kein Hoffen und Bangen, allenfalls Ärger um vergebene Chancen und nicht mehr existierende Möglichkeiten.

Zwei Wochen später modifiziert der Hessische Handball Verband seine Entscheidung. Am 06.04.2020 wird bekannt gegeben, dass es nach dem Abbruch der Saison keine Absteiger, aber auch keine Relegationsspiele geben wird. Da die Vereine einer Spielklasse möglicherweise eine unterschiedliche Anzahl von Rundenspielen absolviert hatten, werden neue Abschlusstabellen mit einer Quotientenberechnung erstellt. Eine milde Entscheidung, ein wenig mehr Gerechtigkeit und natürlich Jubel bei vielen betroffenen Vereinen.

Volleyball

Weitaus differenzierter geht der Hessische Volleyballverband mit dem Thema um. Am 04. April gibt der Verband auf seiner Internetseite die Regelungen zur abgebrochenen Saison 2019/2020 bekannt. Gemäß dieser Veröffentlichung wird für die Saison kein Meistertitel vergeben. Die Auf- und Abstiegsregelungen sind für Oberliga und Landesliga einheitlich geregelt, weichen aber von den Regelungen der unteren Spielklassen ab. Um die Komplexität zu verdeutlichen, sind die volleyballspezifischen Regelungen nachstehend im Wortlaut der Verbandsveröffentlichung vom 04. April wiedergegeben:

Oberligen / Landesligen:

Aufgrund des Abbruchs der Saison 2019/20 wird der Meister-Titel nicht vergeben.

Auf- und Abstiegsregelung

  • Für diejenigen Mannschaften, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs als Aufsteiger bzw. Absteiger eindeutig und sportlich nicht mehr änderbar feststehen, gelten die bestehenden Regelungen. Das heißt sie steigen auf beziehungsweise müssen absteigen.
  • Aufstiegsspiele am Ende der Saison 2019/2020 finden nicht statt.
  • Mannschaften, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf einem Abstiegsplatz sind und rechnerisch einen Nichtabstiegsplatz gemäß den festgelegten Regularien erreichen könnten, erhalten das Angebot, für die Saison 2020/21 in dieser Spielklasse zu bleiben.
  • Mannschaften, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs nicht auf einem Aufstiegsplatz sind und rechnerisch eine Platzierung erreichen könnten, die gemäß den festgelegten Regularien zum Aufstieg berechtigen, erhalten das Angebot zusätzlich in die höhere Spielklasse aufzusteigen.
  • Das gilt allerdings nur, wenn die maximale Staffelstärke von 14 Mannschaften in der Saison 2020/21 nicht überschritten wird. Die spielleitende Stelle der übergeordneten Spielklasse entscheidet darüber abschließend.
    HVV: In einem solchen Fall wird ebenfalls nach der Quotienten Methode entschieden.
  • Aus den Staffeln, die in der Saison 2020/21 mit der Maximalanzahl von 14 Mannschaften spielen, steigen am Ende der Saison bis zu 4 Mannschaften ab.

 

Kreisklassen / Kreisligen / Bezirksligen / Bezirksoberligen:

Aufgrund des Abbruchs der Saison 2019/20 wird der Meister-Titel nicht vergeben.

Auf- und Abstiegsregelung

  • Die spielerisch ermittelten Tabellenstände werden mittels der sogenannten Quotientenmethode (Punkte/Anzahl der gespielten Spiele) um einen Quotient erweitert. Dieser Quotient bildet die Sortierreihenfolge der Tabelle und ermittelt rechnerisch die Platzierung. Die Mannschaft mit dem höchsten Quotientenwert ist auf Platz 1 anzusetzen.
  • Bei Quotientengleichheit entscheidet das Satzverhältnis, das in diesem Fall ebenfalls durch Bildung eines Quotienten auf Basis der Satzdifferenz gebildet wird (Satzdifferenz/Anzahl gespielter Spiele).
  • Diese neu errechnete Tabelle stellt die Abschlusstabelle der Saison 2019/20 dar. Basierend auf der Abschlusstabelle findet der reguläre Auf- und Abstieg statt.
  • Im Falle von freien Plätzen in einer Staffel verbleiben zuerst die Absteiger in der Staffel, danach wird den 2. oder 3. platzierten der direkt darunterliegenden Staffel oder Staffeln mit dem höchsten Quotienten der Aufstieg angeboten.
  • Die jeweiligen Spielwarte können hier im Sinne der Staffelstabilität andere Regelungen treffen.

Fazit

Jeder Verband regelt die Fragen nach Meisterschaft, Auf- und Abstieg in Eigenregie. Allen Verantwortlichen wird unterstellt, dass sie entscheidenden Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Ungerechtigkeiten sind vorprogrammiert, anfangs getroffene Entscheidungen könnten zu einem späteren Zeitpunkt revidieret werden. Vereine, die sich benachteiligt fühlen, werden versuchen ihren Standpunkt (sport-)gerichtlich überprüfen zu lassen.

Das Verwirrspiel um Aufstieg, Abstieg und Meisterschaft dürfte noch einige Zeit anhalten.