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Ewald Walker verabschiedet sich von »Jugend trainiert für Olympia«

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Einladung zur V. Delegiertenversammlung

01.07.2019
Berlin

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Traudi Beierlein: Anpassungsprobleme und ein Wort von „Little“ Klein

1958 seid ihr dann nach Darmstadt gezogen.
Ja, mein Vater war immer mal wieder in Deutschland und hatte sich nach einem geeigneten Standort umgesehen. Er hatte festgestellt, dass es in Darmstadt einen tollen Schwimmverein gibt.
In Kairo hatte ich verschiedene Sprachen aufgegriffen und mein Englisch war fast besser als mein Deutsch. Damals habe ich Englisch gedacht und die Gedanken mehr oder weniger ins Deutsche übersetzt. Es bot sich also an Dolmetscherin zu werden. Die Ausbildung zur Dolmetscherin habe ich in Frankfurt gemacht. In Darmstadt zu wohnen und zu schwimmen hat sich dabei angeboten.

Hast du in Darmstadt noch einmal die Schulbank gedrückt?
Ja, auf der Dolmetscherschule in Frankfurt, die ich dann auch in Englisch, Französisch und Spanisch abgeschlossen habe.

Hast du später als Dolmetscherin gearbeitet?
Zunächst freiberuflich, aber schon bald war ich bei der Stadt Darmstadt fest angestellt. Ich habe Gruppen betreut und bei internationalen Empfängen übersetzt. Zum europäischen Städtetag nahm mich Oberbürgermeister Dr. Engel als persönliche Dolmetscherin mit nach Paris. Später lag mein Aufgabenbereich im Büro für Städteverschwisterung der Stadt Darmstadt.

Die Tätigkeit ließ sich gut mit dem Schwimmsport vereinbaren?
Ja, die Stadt Darmstadt war da sehr entgegenkommend. Wenn ich für Lehrgänge freie Tage brauchte, hat man mir das immer ermöglicht. Die Stadt Darmstadt war stolz auf die sportlichen Erfolge und hat mich immer gefördert.

Deutsche Meisterin (1964)

Wie ging es zu dieser Zeit sportlich weiter?
Es stagnierte. Ich hatte fürchterliches Heimweh nach Ägypten, und das hat sich auf meine schwimmerischen Leistungen ausgewirkt. Das Leben in Ägypten war für uns Deutsche damals leicht und fröhlich, wie Champagner. Zurück in Deutschland kam es mir eher wie Bier vor, es war im Vergleich schwer, verbissen und ernst. Es fehlten mir im täglichen Leben Fröhlichkeit und Leichtigkeit. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich das überwunden hatte. Das Leistungstief hat mich leider um die Möglichkeit gebracht, mich für die Olympischen Spiele in Rom 1960 zu qualifizieren.

Also Anpassungsschwierigkeiten?
Ja, das kann man so sagen. In Ägypten nahm man es zum Beispiel mit der Zeit ja nicht so genau. Ein paar Minuten früher oder später, alles kein Problem. Ich erinnere mich noch an die süddeutschen Meisterschaften in Karlsruhe, das müsste 1959 gewesen sein. Das Schwimmbad hatte eine große Fensterfront zu einem Zoo oder Tierpark, den ich dann auch nach meinem Vorlauf aufsuchte. Irgendwann blickte ich dann zufällig zum Schwimmbad hinüber und musste erkennen, dass sich die Teilnehmerinnen für meinen Endlauf bereits am Beckenrand versammelten.
Ich bin dann völlig aufgelöst losgerannt. Meinen Badeanzug trug ich glücklicherweise bereits unter meiner Kleidung, und so habe ich mich schon auf dem Weg zum Schwimmbecken des einen oder anderen Kleidungsstücks entledigt. Im Vorbeirennen gab mir mein Trainer Sartori mit der Schnur seiner Stoppuhr einen wütenden Hieb auf die Beine. Ein kleines Erlebnis, aber nicht das einzige, das wohl mit gewissen Anpassungsschwierigkeiten zu tun hatte.

Was war der Grund dafür, dass es sportlich gesehen dann doch wieder aufwärts ging?
Ich glaube, es lag einfach daran, dass ich mich angepasst und schließlich in der neuen Umgebung eingelebt hatte. Ein wesentlicher Grund dafür, dass ich den Sprung nach Tokio geschaffte habe, war sicherlich auch mein Schwimmkollege „Little“ Klein. Ich war ja eigentlich ziemlich faul und wirklich nicht trainingsfleißig. „Little“ Klein und andere Darmstädter Schwimmer trafen sich regelmäßig morgens früh vor dem öffentlichen Badebetrieb zu einer Trainingseinheit im heutigen Jugendstilbad, damals das einzige Hallenbad in Darmstadt. Ich hatte nie an diesen Extra-Trainings teilgenommen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele hat mich „Little“ Klein dann davon überzeugt bei diesen frühen Trainingseinheiten mitzumachen. Meine Leistungskurve ging dann tatsächlich nach oben, und am Ende hatte ich die Qualifikation für Tokio geschafft. Ohne die Aufforderung von „Little“ Klein hätte ich weniger trainiert und den Sprung in die Olympia-Auswahl ganz sicher nicht geschafft.