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30.01.2019
Neckaralb

Eine wahrhaft olympische Veranstaltung mit Teilnehmern aus mehreren Nationen

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Traudi Beierlein: Erlebnis Tokio 1964, Olympisches Mosaik

War die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio 1964 dein sportliches Ziel schlechthin?
Ja, die Teilnahme war mein höchstes schwimmerisches Ziel. Damit wurde auch eine Vorhersage von Mr. Alex, meinem Trainer in Ägypten, tatsächlich Realität. Als wir damals Ägypten verließen, hatte er zu mir gesagt: „Du wirst deutsche Farben tragen und bei Olympia dabei sein.“. Und Mr. Alex wollte ich ja schließlich nicht enttäuschen.

Im Vorlauf über 100 Meter Freistil wurdest du mit 1:05,4 Minuten gestoppt.
Eine sauschlechte Zeit, mit der ich heute noch nicht einmal in die hessischen Endkämpfe kommen würde. Im Vorfeld der Spiele hatte ich einen deutschen Rekord mit 1:03 Minuten aufgestellt. Aber diese Zeit habe ich in Tokio deutlich verfehlt.

Warum konntest du deine persönliche Bestleistung bei den Olympischen Spielen nicht wiederholen?
Es lag zu einem großen Teil daran, dass mich das Erlebnis Olympia emotional enorm beeinflusst hat. Es strömten derart viele Eindrücke auf mich ein, dass meine Konzentration auf das Schwimmen darunter gelitten hat.

Tokio: Olympia-Diplom

Was war denn für dich so beeindruckend?
Das Feierliche. Das Internationale. Ich kam aus dem Schauen und Staunen gar nicht mehr heraus. Selbst für die Vorläufe war ein gemeinsames Einmarschieren angesagt. Musik wurde gespielt. Wenn man ein emotionaler Mensch ist, bewegt einen das sehr. Ich war aber nicht die Einzige, der es so ging. Ähnliches habe ich von vielen anderen Teilnehmern gehört. Selbst „Little“ Klein, der in Tokio vier Medaillen gewinnen konnte, hat einmal angemerkt, dass die erste Olympia-Teilnahme meist enttäuschend verläuft. Und in diesem Sinne habe ich dann auch meine persönliche erste und einzige Olympia-Teilnahme, schwimmerisch gesehen, vergeigt.
Das Erlebnis Olympia war aber ein absoluter Höhepunkt.

Wie warst du während der Spiele untergebracht?
Im Olympischen Dorf. Auch das war ein besonderes Erlebnis. Ich denke, Männlein und Weiblein waren damals in verschiedenen Häusern untergebracht. Die Begegnungen mit Sportlerinnen aus anderen Ländern waren meist sehr positiv. Ich erinnere mich aber auch an eine rumänische Sportlerin, ich glaube sie war Kugelstoßerin, die im Gemeinschaftsraum unbedingt das Fernsehprogramm ihrer Wahl schauen wollte und sich sehr aggressiv zeigte, als man ihrer Forderung nicht nachkommen wollte.

Wie war die Verpflegung?
Das Essen war ganz hervorragend. Es wurde alles in Buffetform angeboten. Hier habe ich zum ersten Mal Krabben gegessen.

Gab es Erlebnisse außerhalb des Sports?
Ich hatte meine Freiheiten, habe das Olympische Dorf oft auf eigene Faust verlassen und war immer wieder überrascht, wie freundlich die Menschen dort waren.

Hast du noch Kontakt mit Sportlern oder Sportlern, die ebenfalls in Tokio dabei waren?
Ja, mit Little, den ich heute noch genauso bewundere und liebe wie damals, und ab und zu mit Uwe Jacobsen. Mit Helga Neuber, die im gleichen Zimmer wie ich untergebracht war, halte ich bis heute engen Kontakt. Sie war es auch, die mich zum künstlerischen Arbeiten ermutigt hat. Ich wurde später die Patentante ihres Sohnes, und sie ist die Patentante meiner Tochter.

Gab es Kontakte zu Sportlerinnen anderer Nationen?
Es gab nette Begegnungen, aber keine bleibenden Freundschaften. Ich hatte großes Interesse daran, mit den ostdeutschen Mädchen in Kontakt zu kommen. Die Mädchen aus der DDR gingen ja mit uns zusammen als Gesamtdeutsche Mannschaft an den Start. Eine Chance für ein ungestörtes Gespräch gab es aber nur unter den Duschen. Wann immer wir aber dort oder außerhalb dieses Bereichs mit Schwimmerinnen aus dem Osten Deutschlands sprachen, war sofort jemand zur Stelle, der die Gesprächspartnerin unter einem Vorwand ansprach und sie dann quasi entführte.

Hast du vom Land noch etwas gesehen?
Nach Abschluss der Spiele haben wir eine wunderschöne Mannschaftsreise durch das Land gemacht, sind mit dem Hochgeschwindigkeitszug gefahren, haben Kyoto, den Fuji und den berühmten Schwefelquellenberg gesehen. Begeistert war ich von der Disziplin und Freundlichkeit, die uns überall im Land begegnete.

Rückkehr aus Tokio, Empfang in Darmstadt

Wie war der Empfang bei der Rückkehr aus Tokio?
Das war ein unglaublicher Empfang, den der damalige vom Schwimmsport begeisterte Oberbürgermeister Dr. Engel organisiert hatte. Der gesamte Marktplatz und die angrenzenden Straßen waren voller Menschen. Es müssen um die Zwanzigtausend gewesen sein. Im Mittelpunkt hätten eigentlich die beiden Darmstädter Medaillengewinner „Little“ Klein und Uwe Jacobsen stehen müssen, aber ich wurde genau so gefeiert wie diese Beiden. Wir haben uns dann später im Stadthaus ins Goldene Buch der Stadt Darmstadt eingetragen.
Neben uns aktiven Sportlern gehörten zwei weitere Darmstädter zur deutschen Olympia-Delegation: Der Schwimmtrainer Janos Sartori und der damalige Präsident des Deutschen Schwimm Verbandes Dr. Leyerzapf. Auch sie wurden beim Empfang in Darmstadt entsprechend gefeiert.

Darmstädter Olympiateilnehmer 1964 (Quelle unbekannt)
Triumphaler Empfang in Darmstadt

Olympisches Mosaik

Tokio liegt heute mehr als 50 Jahre zurück. Was hat sich geändert bei Olympia?

Ich bin keine Expertin auf diesem Gebiet. Ich sehe die Veranstaltung ja nicht mehr von innen, erlebe sie nicht selbst. Auch weiß ich nicht, inwiefern die veränderten finanziellen Faktoren und Möglichkeiten die große, persönliche Freude am Sport heute beeinflussen, zusätzlichen Druck erzeugen und die Fröhlichkeit des sportlichen Tuns trüben. Eine Bewertung in dieser Sache möchte ich nicht abgeben.

Schaust du heute noch Olympia?
Sehr gern. Speziell beim Schwimmen bin ich von der Sauberkeit des Stils bei den meisten Schwimmerinnen und Schwimmern begeistert. Es ist eine Wohltat, das zu sehen. Ohne die richtige Technik kommt man heute wahrscheinlich nicht mehr an die Spitze.

Warum schwimmt man heute so viel schneller als zu deiner Zeit?
Der Stil, die Technik und das Training wurden perfektioniert. Früher gab es viele Schwimmerinnen und Schwimmer mit kraftvollem, aber nicht unbedingt ästhetischem Stil. Heute wird mit wissenschaftlichen Mitteln versucht, jedem vielversprechenden Talent die bestmögliche Technik zu vermitteln. Außerdem ist das Training heute bedeutend härter und vielseitiger als ich es kennengelernt habe.

Wurde zu deiner Zeit gedopt?
Von dem einen oder anderen wurde gemunkelt, dass dort möglicherweise etwas nicht mit rechten Dingen zugehe. Aber das waren immer nur nebulöse Bemerkungen. Konkreten persönlichen Kontakt mit dem Thema Doping hatte ich glücklicherweise nie.

War denn zu deiner Zeit Leistungssport für Frauen genau so angesagt wie für Männer?
Was die Spitze anbelangt, gab es keine großen Unterschiede. Nur die Breite war bei den Frauen nicht im gleichen Umfang vorhanden.

Bei den Spielen in Rio 2016 hatten viele Experten unseren Darmstädter Schwimmer Marco Koch ganz weit vorne erwartet. Kannst du dir erklären, warum es bei ihm nicht wie erwartet geklappt hat?
Das ist eine schwierige Frage, die man als Außenstehende eigentlich gar nicht beantworten kann. Vielleicht war er übertrainiert, vielleicht hat er sich falsch vorbereitet. Aus meiner Erfahrung heraus können auch emotionale, persönliche Gründe ausschlaggebend die Leistung mindern. Aber das sind nur Spekulationen. Überrascht hat mich das schlechte Ergebnis aber auf jeden Fall.

Im Internet findet man nur wenige Informationen zu deinen sportlichen Leistungen. Welche Bestzeiten und Titel sind erwähnenswert?
Ich habe schon früh einen deutschen Rekord im Lagenschwimmen erzielt. Das war zu einer Zeit, als man noch allein mit Wassergefühl im Lagenschwimmen erfolgreich sein konnte.
Als sich später immer mehr dem Lagenschwimmen zuwandten und sich gezielt auf diese Wettkämpfe vorbereiteten, hatte ich keine Chance mehr.
Auf Landesebene ist der Titel einer Deutschen Meisterin über 100 Meter Freistil 1964 in Berlin erwähnenswert.
Listen oder Zusammenstellungen über meine persönlichen Leistungen habe ich leider nicht. Diese Daten waren mir eigentlich niemals wichtig genug, um sie akribisch festzuhalten. In Ägypten hatte das meine Mutter gemacht. Wichtig war mir nur, dass ich bei Wettkämpfen merkte, dass es vorwärts ging. Staffeln und Mannschaftsmeisterschaften spornten mich ganz besonders an; da schwamm ich nicht nur für mich. Auch das gute Verhältnis zu meinen Schwimmkolleginnen und -kollegen war für mich immer von großer Bedeutung.