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Brießmann, Anne

 

Persönliche Daten

Geboren: 28.07.1972

Geboren in: Darmstadt

Aufgewachsen in: Ober-Beerbach

Wohnort: Einhausen

Beruf: Sparkasse Bensheim, Organisation

Sportart: Rollstuhlbasketball

Verein: Mainhatten Skywheelers

Erfolge

Goldmedaille bei den Paralympics, London 2012

Silbermedaille bei den Paralympics, Rio 2016

Vize-Weltmeister 2014

Vize Europameister 2013

Deutsche Meisterschaft der Damen 2009, 2010, 2011 und 2016 mit Team Hessen

Deutscher Vizemeister mit den Mainhatten Skywheelers 2013

>>> Informationen zum Rollstuhlbasketball

 

 

Wie sahen Ihre ersten sportlichen Aktivitäten aus?

Ich habe als Kind Fußball gespielt, in Oberbeerbach gab es sonst nichts. Später ging’s zur Leichtathletik, dann habe ich zwischendurch mal Luftgewehr geschossen, Inliner ausprobiert und Trompete gespielt. Ok, das Trompetespielen war jetzt nicht unbedingt eine sportliche Betätigung.
Eigentlich habe ich in der Jugend fast alles ausprobiert, was nichts mit filigranen Bewegungen zu tun hatte, wie Rhythmische Sportgymnastik oder Turnen.

 

Später haben Sie dann Kontakte zum Basketball geknüpft; wo waren Sie aktiv?

Ich habe beim BSC Einhausen Basketball gespielt, allerdings nicht in den oberen Ligen.  Tischtennis war dort die Nummer eins, so dass sich die Basketballer entschlossen einen eigenen Verein zu gründen.Ich war eines der Gründungsmitglieder des BC Einhausen 08 und habe dann dort die Position des Kassenwarts übernommen. Beide Varianten, Abteilung oder eigener Verein, haben Vor- und Nachteile, aber wir haben uns damals zur Selbständigkeit entschlossen. Als Konsequenz kamen dann neue Aufgaben wie steuerliche Angelegenheiten auf uns zu.

Wo steht der Verein heute?
Den Verein gibt es nicht mehr; in Einhausen wird heute überhaupt kein Basketball mehr gespielt. Basketball scheint nicht mehr so gefragt zu sein, schade drum.

 

Der Unfall

 

Im Februar 2005 hat ein Ereignis Ihr Leben verändert. Können Sie schildern, was damals vorgefallen ist? Wollen Sie überhaupt darüber reden?

Ja, auf jeden Fall, ich habe kein Problem damit. Das Ganze ist beim Skifahren passiert. Ich hatte bereits mit vier Jahren das Skifahren gelernt und war sehr gut auf Skien unterwegs. An jenem Tag hatte es geschneit, sehr viel geschneit, und ich hatte ja schon immer einen Tiefschneekurs machen wollen. Zusammen mit einer Freundin habe ich dann so einen Kurs gebucht. Irgendwann blieb der Skliehrer vor einem kleinen Abhang stehen; an dieser Stelle gings es knapp zwei Meter in die Tiefe, hinunter auf einen Ziehweg. Ich habe leider zu spät bemerkt, dass der Skilehrer stehengeblieben war, habe zwar versucht noch rechtzeitig anzuhalten, bin dann aber gestürzt und kopfüber auf den doch recht harten Ziehweg gefallen.
Schon beim Aufprall war mir klar, dass etwas Schlimmes passiert war.Ich bin dann noch ein wenig weiter gerutscht und am Ende der Rutschphase musste ich feststellen, dass die Beine tot waren.
Zufällig war ein Arzt in der Nähe, der mir gleich etwas gespritzt hat. Beruhigungs- oder Schmerzmittel. Was auch immer. Ich hatte dann auch keine Schmerzen, war auch nicht bewusstlos, habe alles mitbekommen.

 

Wenig später gab es dann eine Diagnose, die Ihre Befürchtungen bestätigt hat. Bricht dann eine Welt zusammen?

Nein. Man weiß halt, es ist etwas Schlimmes, aber man kann nur wenig damit anfangen. Ich hatte vorher noch nie etwas mit Rollstuhlfahrern oder Querschnittgelähmten zu tun. Von daher wußte ich nicht, was das in der Konsequenz bedeutet und was das nach sich zieht. Vielleicht ist es auch gut so, dass man das vorher nicht weiß!
Umgehauen hat mich das Ganze nicht. Ich bin kein Typ, der mit dem Schicksal hadert. Ich habe schon früher die Dinge genommen, wie sie sind.

 

Das ist eine tolle Einstellung. Die meisten Menschen schaffen so etwas sicher nicht.

Das ist keine bewusste Einstellung. Ich kann das auch nicht lenken, das ist einfach so. Da ich aber nicht wusste, was alles hinten dran hängt, habe ich mir gesagt: warte erstmal ab, die werden das schon hinkriegen mit mir. Mit dem Wissen von heute hätte ich vielleicht anders reagiert.

 

 

Der mühsame Weg zurück

 

Ging das dann genau so pragmatisch weiter nach dem Motto „Jetzt baue ich mal langsam wieder auf“ oder gab es einen Anstoß von außen?

Nein, einen Anstoß von außen brauchte ich nicht. Für Außenstehende wirkt das alles viel schlimmer als für einen selbst. Man ist ja in Behandlung und bekommt jeden Tag beigebracht, damit umzugehen. Wichtig war mir, dass meine Mutter sehen konnte, dass es mir gut geht.

 

Wie muss man sich die medizinischen Maßnahmen vorstellen?

Der Unfall war ja in Österreich passiert. Dort musste ich zunächst einige Tage bleiben bis ich transportfähig war. Anschließend war ich fünf Monate in Heidelberg, ein Zeitraum, der in solchen Fällen durchaus üblich ist. Man muss halt viel lernen in der neuen Situation. Es ist zum Beispiel gar nicht so einfach sich anzuziehen, wenn man den Hintern nicht mehr anheben kann. Und so kamen noch viele Dinge auf mich zu, die ich mir anfangs gar nicht

hatte vorstellen können. Ich war in Heidelberg aber in guten Händen, und es gab keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Wichtig war für mich, dass ich weitestgehend selbständig sein würde. Es gibt zwar Dinge, die nicht gehen, wie Fensterputzen zum Beispiel, aber das ist dann auch nicht so wichtig. Geholfen hat mir in dieser Zeit, dass ich ein „Nachvornegucker“ und kein „Nachhintengucker“ bin.

 

Sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Sparkasse Bensheim beschäftigt. Wie sah die berufliche Wiedereingliederung aus?

Es hat sich für mich natürlich vieles geändert. Zum Beispiel musste ich umziehen, da meine frühere Wohnung im dritten Stock lag und kein Aufzug vorhanden war. Da war ich froh, dass die Sparkassenleitung mir schon frühzeitig signalisiert hatte, dass man mich unterstützen würde. Für mich war es eine große Hilfe zu wissen, dass das berufliche Umfeld als ein Fixpunkt in meinem Leben weiterhin Bestand haben würde. Angefangen habe ich dann mit zwei- oder dreistündigen Arbeitstagen.

 

Gab es ein Schlüsselerlebnis, dass Sie dazu veranlasst hat sehr intensiv in den Sport einzusteigen?

Sport hatte ich ja immer schon gemacht. In der Klinik war es dann meine Physiotherapeutin, die mich ermuntert hat. Das funktionierte über den therapeutischen Ansatz, dem man in Heidelberg folgt. Hier wird der Umgang mit dem Rollstuhl auf spielerische Art vermittelt, oft war ein Ball dabei im Spiel. Wenn man im Spiel wie ein Hund einem Ball hinterher jagt, lernt man den Rollstuhl schneller und müheloser beherrschen, als wenn man stur irgendwelchen Bedienungsanweisungen folgt.
Die Therapeutin hat schnell gemerkt, dass mir die sportliche Betätigung im Rollstuhl Spaß macht und dann schon bald mein Basketballteam eingeladen. Jede Mitspielerin wurde in einen Rollstuhl gesetzt und alle mussten sich dann auf dem Spielfeld auf die gleiche Art und Weise bewegen wie ich. So war für mich schon bald der erste Kontakt zum Sport hergestellt.

 

2008: Dîrk Nowitzki und ein Plan

 

Wie ging es dann weiter?

Natürlich stand in der ersten Zeit nach dem Klinikaufenthalt zunächst mal eine Normalisierung des Alltags an. Erst 2008 hatte ich dann mein erstes großes Schlüsselerlebnis. Die Olympischen Spiele in Peking standen an und ich sah Dirk Nowitzki die deutsche Fahne ins Stadion tragen. Er hat sich gefreut wie ein kleines Kind, und ich sagte mir: „Das muss doch für einen Sportler das Erlebnis schlechthin sein!“. Wenn ein Sportler wie Dirk Nowitzki, der alles erreicht hat und Millionen verdient, sich so für dieses Ereignis begeistert, dann muss das doch etwas Tolles, etwas Geniales sein. Mehr aus Spaß habe ich dann zu mir gesagt: „Ich schau mir in ein paar Wochen die Paralympics an und suche mir dann eine der Sportarten aus, in denen keine deutsche Sportlerin an den Start gegangen ist.“

 

Und diese Sportart haben Sie gefunden?

Mehr oder weniger. Ich habe bald darauf mit einer Freundin gesprochen, die mein früheres Engagement in der Leichtathletik kannte. Sie meinte, dass ich eine Kugel stoßen könnte, unabhängig davon, ob ich im Rollstuhl sitze oder nicht. Wir haben uns dann zunächst mal im Internet schlau gemacht und schon bald darauf Marianne Buggenhagen, vielfache Siegerin bei den Paralympics, angeschrieben. Sie half mir mit Kontakten weiter und hat mir dann später auch im persönlichen Gespräch Hilfestellung für einen Einstieg in den Behindertensport gegeben. Zunächst habe ich mich dann in der Disziplin Diskus engagiert.

 

Wie kamen Sie zum Rollstuhl-Basketball?

Das geschah fast parallel zur ersten Kontaktaufnahme mit der Leichtathletik. Meine Mutter hatte im Darmstädter Echo gesehen, dass die Darmstädter Rollstuhlbasketballer Mitspielerinnen und Mitspieler suchten. Ich habe kurz darauf damit angefangen bei den Darmstädter Rollies ein wenig mitzuklickern. Heute sind die früher eigenständigen Rollies als Abteilung im BC Darmstadt aktiv.

 

Vom den ersten Spielversuchen in Darmstadt bis in das Nationalteam war es dann ein weiter Weg.

Eigentlich nicht. Im Behindertensport kann man schnell ganz weit nach oben kommen, vor allem dann, wenn man in einer bestimmten Sportart Vorkenntnisse mitbringt. Da ich über Erfahrungen im Basketball verfügte, war der Einstieg in den Rollstuhlbasketball für mich eher leicht. Techniken waren bekannt und ein gewisses taktisches Verständnis war, anders als bei Neueinsteigern, vorhanden.

 

Sie haben Dirk Nowitzki angesprochen; haben Sie den Nowitzki-Film „Der perfekte Wurf“ gesehen?

Klar, na klar! Ein Traum!

 

Ist Dirk ein Vorbild für Sie?

Ja, natürlich. Sein Auftreten bei den Spielen in Peking war der Auslöser für mein Engagement. 2013 waren wir mit der Nationalmannschaft in Dallas, konnten auch ein Spiel von Dirk und den Dallas Mavericks besuchen und wurden dann während des Spiels auf dem Videowürfel eingeblendet. Dirk ist ein toller Typ und kommt absolut bodenständig rüber! Eben ein Vorbild.

 

 

Die Paralympics in London und Rio

 

Jetzt sind wir beim Thema Basketball hängengeblieben. Ursprünglich hatten Sie sich ja für das Diskuswerfen entschieden.

Ja, da war ich zunächst auch aktiv, und ich war auf einem guten Weg mich in dieser Disziplin für die Paralympischen Spiele 2012 zu qualifizieren. Ein Jahr zuvor wurde die Disziplin dann in meiner Startklasse für die Spiele 2012 aus dem Programm genommen.

 

Warum?

Für 2012 hatte man sich vorgenommen, in einigen Sportarten auch geistig Behinderte an den Paralympics teilnehmen zu lassen. Da das Programm hierdurch erweitert werden musste, hatte man sich dazu entschlossen, einige der bisherigen Wettbewerbe aus dem Programm zu nehmen. Das war natürlich sehr kurzfristig und für manche Sportlerinnen und Sportler auch sehr enttäuschend.

 

Fühlen Sie sich als Olympionikin?

Ja, wir benutzen das Wort bei uns im Behindertensport auch. Es ist einfach viel zu anstrengend immer Paralympionikin zu sagen, daher nutzen wir im Altag das etwas kürzere Wort. Natürlich wissen wir, dass es einen Unterschied in der Wortbedeutung gibt.

 

Sie haben an den Paralympischen Spielen in London 2012 und in Rio 2016 teilgenommen. Wie fällt ein Vergleich aus?

Das ist schwierig.

 

Die leichten Fragen liegen hinter uns. Jetzt muss natürlich auch mal eine schwierige Frage kommen.

OK. Die Erwartungshaltung im Vorfeld war völlig verschieden. Es war zu erwarten, dass es in London phantastische Spiele werden würden, vor allem, weil die Engländer so unglaublich sportbegeistert sind und daher sicher auch mit vollen Stadien und Hallen zu rechnen war.

Die Voraussetzungen für Rio waren weniger gut. Viele Veranstaltungen bei den Olympischen Spielen hatten vor nur wenigen Zuschauern stattgefunden und zu allem Überfluss wurde ja kurz vor den Paralympics berichtet, dass die Finanzierung unserer Spiele nicht gesichert sei.
Umso überraschter waren wir alle über den Zuschauerzuspruch in Rio. Die brasilianischen Zuschauer waren begeisterungsfähig, aber bei weitem nicht so gut über die einzelnen Sportarten informiert wie vier Jahre zuvor die Engländer. Die Stimmung bei den Wettkämpfen war aber absolut ein Erlebnis. 

 

Wie fällt Ihr Vergleich der Olympischen Dörfer aus?

Es sollte allen Sportlern klar sein, dass sie nicht zum Urlaub in ein Fünfsternehotel fahren. Alles in allem fand ich die Unterkünfte im Olympischen Dorf von Rio fast ein wenig besser. Es ist natürlich Südamerika und da musste man in Kauf nehmen, dass nicht alles klinisch rein geputzt war. Möglicherweise war nach dem Auszug der Olympioniken nicht gründlich gereinigt worden, so dass beim Bezug der Zimmer zunächst schon ein wenig Putzen auf dem Programm stand. Aber es tut ja auch nicht weh, wenn man mal kurz den Besen in die Hand nimmt. Einen wirklichen Grund zur Beschwerde hatten wir jedenfalls nicht.

 

Hatten Sie Kontakt zu Einheimischen?

Mehr oder weniger nur mit den Volunteers, wobei die Sprachbarriere in Rio keine großen Gespräche erlaubte.

 

Nach Ihrer Rückkehr aus Rio häuften sich die Pflichtermine. Eine Ehrung im Rathaus, eine Feier bei der Sparkasse, ein Empfang beim Bundespräsidenten. Ist das Stress oder ist das nur schön?

Von beidem ein bisschen. Da sich die Termine häuften, ich aber natürlich meiner Tätigkeit bei der Sparkasse nachgehen musste und der Spielbetrieb im Basketball wieder angelaufen ist, war alles schon ein wenig hektisch. Reisestress war auf jeden Fall gegeben. Ansonsten war es aber sehr, sehr schön.

 

 

Zukunftsperspektiven


Auf der Internetseite des Paralympics Teams werden Sie mit der Aussage zitiert, Ihr Ziel sei Tokio 2020.

Definitiv nicht als Spielerin im Rollstuhl Basketball. Im Verein, bei den Skywheelers spiele ich allerdings weiter.

 

Es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten.

Ein wenig liebäugel ich damit, noch mal etwas in der Leichtathletik zu versuchen. Das ist körperlich nicht ganz so anspruchsvoll wie der Rollstuhlbasketball. Entschieden ist da noch nichts. Eine Entscheidung hierzu wird auch in diesem Jahr nicht mehr fallen,

 

Werden Sie den Diskus noch einmal in die Hand nehmen?

In die Hand nehme ich ihn auf jeden Fall noch einmal. Aber wie intensiv sich das dann gestalten wird, weiß ich heute noch nicht.

 

Wäre eine Trainer- oder Funktionärstätigkeit etwas für Sie?

So weit bin ich noch nicht. Es wird wohl irgendwann dazu kommen, aber im Moment habe ich noch zu viel Spaß als Aktive.

 

Über Förderung und Beförderung

 

Werden Sie finanziell gefördert?

Ich bekomme als Angehörige des A-Kaders von der Deutschen Sporthilfe 150,00 Euro im Monat. Über die Hessische Sporthilfe gibt es 200,00 Euro.

 

Gibt es andere Sponsoren?

Nein.

 

Wie unterstützt Sie die Sparkasse als Ihr Arbeitgeber?

Die Sparkasse hilft mir dadurch, dass sie mich immer wieder freistellt. Ohne diese Unterstützung wäre vieles in der Vergangenheit nicht möglich gewesen.

 

Was wissen Sie über die Förderung der Teams in den USA und den Niederlanden, Ihren größten Konkurrenten beim Kampf um internationale Titel?

In den Niederlanden wurde im Rollstuhlbasketball nach 2012 das Profitum eingeführt. Die Spielerinnen wurden in den vergangen vier Jahren für ihren Sport bezahlt. So weit ich weiß, haben sie 1500 Euro im Monat bekommen und zweimal am Tag zusammen trainiert. Da die Niederlande ihr Ziel Goldmedaille in Rio nicht erreicht haben, scheint die Förderung infrage gestellt zu sein. Im deutschen Team geht jede Spielerin einer Arbeit nach oder studiert.

 

Wie werden Sie in Ihrem Team, den Mainhatten Skywheelers, vergütet?

Gar nicht.

 

Wenn ein Rolli-Team auf Reisen geht, muss das eine aufwendige Angelegenheit sein.

In Frankfurt haben wir einen Vereinsbus mit einer Hebeanlage und für die Rollstühle einen Hänger. Wenn der Neunsitzer Bus nicht ausreicht, fährt auch schon mal jemand im eigenen Fahrzeug zu den Auswärtsspielen. Die Fahrtkosten werden dann vom Verein erstattet.

 

Bei der Reise nach Rio stand kein Vereinsbus zur Verfügung.

Wenn wir das Flugzeug nutzen müssen, ist es schon immer ein wenig aufregend. Am schwierigsten ist es meist in Frankfurt, aber da wir uns und unseren Bedarf immer rechtzeitig anmelden, geht es doch relativ gut.10 Rollstühle und deren Insassen bedeuten für das Personal erhöhten Arbeitsaufwand. Für die Stewardessen ist es wie immer stressig, denn irgendwann müssen auch Rollstuhlfahrer mal zur Toilette.

 

Wurden die Rollstuhlfahrer auf Gangplätze gebucht?

Nein, das ist nicht erlaubt, da ein Rollstuhlfahrer im Notfall ja den Fluchtweg für die Passagiere auf den benachbarten Plätzen blockieren würde. Der richtige Platz für Rollstuhlfahrer ist der Fensterplatz.

 

 

Auf dem Spielfeld


Sie spielen in einer gemischten Mannschaft, das heißt Sie spielen in einer Mannschaft gemeinsam mit Männern.

Es gibt nur eine geringe Anzahl von Frauen im Rollstuhlbasketball. Daher hat man gemischte Mannschaften eingeführt. Das gibt es nur in wenigen Ländern. Für die Frauen hat das den Vorteil, dass sie im Spiel gegen männliche Gegner individuell stärker werden. Man hat einen großen Vorteil, wenn man dann im internationalen Vergleich auf Frauenteams trifft, die keine Erfahrungen gegen männliche Basketballer sammeln konnten. In letzter Zeit kommen immer mehr Frauen aus anderen Ländern in die deutsche Liga, weil sie sicher sind sich durch diesen Wechsel schnell verbessern zu können.

 

Wie viele Spielerinnen mit Basketballvergangenheit gibt es im Team?

Im Nationalteam kommen alle „Fußgängerinnen“ aus dem Basketball. Bei den Spielerinnen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, dürfte ich die einzige Spielerin mit Basketball-Vergangenheit sein.

 

Wie war die Alterstruktur des Teams?

Ich war definitiv die älteste Spielerin. Einige Spielerinnen waren Anfang 20, einige in den Dreißigern, alles in allem eine gute Mischung. Seltsamerweise verstehe ich mich mit den jüngeren Spielerinnen am besten.

 

Wie läuft es bei denSkywheelers?

Leider sind wir in der vergangenen Saison abgestiegen. Das war absehbar, da wir einige Abgänge von hochkarätige Spielern hatten.

 

 

Doping und Antidoping

 

Zu den Olympischen Werten gehörte der Kampf gegen das Doping. Was muss getan werden, damit auf diesem Gebiet Chancengleichheit herrscht?

Voraussetzung ist auf jeden Fall, dass in allen Ländern in gleichem Umfang kontrolliert wird. Die Unabhängigkeit der durchführenden Agenturen und Kontrolleure ist dabei besonders wichtig. In Deutschland wird viel kontrolliert, in anderen Ländern sollte es genau so sein.

 

Wird im Rollstuhlbasketball gedopt?

Man kann es nicht völlig ausschließen, aber Ich glaube nicht. Im Behindertensport haben die Aktiven durch ihre körperlichen Beeinträchtigungen schon genug Probleme. Daher ist die Hemmschwelle zur Einnahme manipulativer Substanzen doch recht hoch. Ich möchte jedenfalls nicht das Risiko eingehen, mir durch Medikamente oder ähnliches zusätzlichen Schaden zuzufügen.

 

Sind Sie getestet worden?

Häufig.

 

Gibt es technisches Doping in Bezug auf den Rollstuhl?

Nein, unsere Rollstühle werden regelmäßig daraufhin kontrolliert, ob sie den technischen Vorschriften entsprechen. Natürlich gibt es in unserem Sport Rollstühle unterschiedlicher Qualität. Da hat man einen Vorteil, wenn man in einem Spitzenmodell unterwegs ist. Aber das hat mit Doping nichts zu tun.

 

 

Darmstadt

 

Was fällt Ihnen zu Darmstadt ein?

Eine ganze Menge. Zunächst einmal bin ich ja geborener Heiner, und während meiner Jugend habe ich viel Zeit in Darmstadt verbracht. Immer wenn es hieß, wir fahren in die Stadt, war für mich Darmstadt gemeint, in meinem Freundeskreis war man aber mehr in Richtung Mannheim orientiert, was immer wieder zu leichter Verwirrung führte.

 

Welcher Name fällt Ihnen zu Darmstadt ein?

Günther Strack. Die Drombusch-Filme sind ja zum Teil in der Gegend von Ober-Beerbach gedreht worden. 

 

(Das Gespräch wurde am 7. November 2016 in Bensheim geführt.)


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