Bundesweite Termine

08.10.2019
Neckaralb

Aktivitäten der Regionalgruppe Neckaralb

08.10.2019
Berlin

Fair Play-Lauf der Deutschen Olympischen Gesellschaft Landesverband Berlin: Lauf für die Werte des...

19.09.2019
Paderborn

Vorboten für Olympia 2020 in Tokio bei der OWL-Challenge

12.09.2019
Berlin

“Ein Schatz Berlins” DOG Landesverband Berlin lud zur sommerlichen Bootsfahrt mit 60 ehemaligen...

03.09.2019
Nachruf

Prof. Hans-Jürgen Portmann verstorben

Zur Website der Bundes-DOG

Historisches: Männersport und Frauen-Weltspiele

Mut zum Sport: Ruth Engelhard über der Hürde

Das Streben der Frauen nach Anerkennung im sportlichen Bereich war von Ablehnung und Behinderungen geprägt. Aus medizinischer Sicht war eine sportliche Betätigung noch im 19. Jahrhundert für Frauen weitestgehend ausgeschlossen, da man schädliche Einflüsse auf die weibliche Gesundheit, vor allem auf die Gebärfähigkeit unterstellte. Die unterstellten Schädigungen reichten von einer Verengung des weiblichen Beckens über eine Verlagerung der Gebärmutter bis hin zu einer allgemeinen Vermännlichung mit all ihren negativen Auswirkungen für die Frau. Erst Ende der 1920er Jahre wiesen Ärztinnen systematisch nach, dass sportliche und turnerische Aktivitäten keinerlei negative Auswirkungen auf den weiblichen Körper haben.

Als Sammelbecken für Bewegungswillige galt schon seit dem frühen 19. Jahrhundert die deutsche Turnbewegung, in der sich die Menschen zur körperlichen Ertüchtigung trafen. Die Aktivitäten auf dem Turnplatz standen jedoch nur einem Teil der Bevölkerung, nämlich den Jungen und Männern, offen. Mädchen und Frauen waren ausgeschlossen.

Auch die beiden großen deutschen Sportorganisationen des 19. Jahrhunderts, die Deutsche Turnerschaft (gegründet 1868) und der Arbeiter-Turnerbund (gegründet 1893), taten sich mit der Anerkennung von Frauen zunächst schwer. Zwar wurde Frauenturnen in beiden Verbänden in den 1890er Jahren eingeführtr, aber erst 1923 durften Frauen erstmals offiziell an Deutschen Turnfesten teilnehmen.

Bei einer derartigen Einstellung zum Frauensport war der Einstieg der Frauen in eine geregelte sportliche Betätigung natürlich mit vielen Hindernissen gespickt. Lieselott Diem weist in ihrem Buch Frau und Sport auf eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1909 hin, in dem sich der Verfasser zum Thema Frauensport wie folgt äußert: „Die körperliche Anstrengung bis zur völligen Erschöpfung verträgt sich durchaus nicht mit dem Begriffe der weiblichen Anmut; sie ist also aus dem Gebiete des Damensports erbarmungslos auszuweisen. Die einfachsten Disziplinen der Athletik, wie Laufen und Gehen, taugen somit für Damen in keiner Weise.“

Mit dem SV Nixen wurde 1897 in Berlin Charlottenburg der erste deutsche Schwimmverein gegründet. Zum Schwimmen stand den Damen nur der Außenbereich zur Verfügung, in deutschen Bädern waren Frauen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs nicht zugelassen. Das Umfeld von Schwimmwettkämpfen der Damen war in dieser Zeit behördlich geregelt. Die Kleidung der Schwimmerinnen hatte züchtig zu sein, und der Weg von der Umkleide zum Wasser war mit Tüchern verhängt, so dass die Frauen nicht von männlichen Wesen beobachtet werden konnten.

Wenn der Laufstil der Frauen von einer Fachzeitschrift 1904 noch mit dem „Watscheln einer Ente“ verglichen wurde, kann man sicher unterstellen, dass sporttreibende Frauen in der Öffentlichkeit mit vielen Anfeindungen zu kämpfen hatten und nicht akzeptiert waren.

Der Club Fémina Sport wurde 1911 als erster Damensportverein Frankreichs gegründet. Es spiegelt den Geist der damaligen Zeit wider, dass der Vereinsvorstand ausschließlich aus Männern bestand, denn auf diese Weise konnten die Männer die sportlichen Aktivitäten der Frauen weitestgehend steuern und weiterhin Eleganz und Anmut als wesentliche Bestandteile des Frauensports proklamieren.

In den Folgejahren wurden in Frankreich weitere Frauensport-Vereine gegründet, deren männliche Vorstände 1917 einen Dachverband, die Fédération des Sociétés Féminines de France (FSFF) ins Leben riefen. Schatzmeisterin dieser neuen Organisation wurde Alice Milliat aus dem Verein Fémina Sport, die sich von Anfang an stark in die neue Organisation einbrachte und bereits 1919 den Vorsitz der FSFF übernahm. Schon nach kurzer Zeit saßen nur noch Frauen im Vorstand der FSFF, und da die Integration von Frauen in den Männersport aus ihrer Sicht nur schleppend verlief, wurden in vielen als männlich geltenden Sportarten eigene Meisterschaften für Frauen durchgeführt. Höhepunkt des Einsatzes für die Frauenemanzipation war die Organisation und Durchführung von Weltspielen für Frauen, die erstmals 1921 mit großartigem Erfolg in Monaco durchgeführt wurden. Neben Frankreich nahmen England, Italien, Norwegen und Schweden an den ersten Frauen-Weltspielen teil.

Nur wenige Wochen nach der Veranstaltung in Monaco gründeten die nationalen Frauensportverbände eine übergreifende internationale Organisation, die Fédération Sportive Féminine Internationale (FSFI), zu deren Präsidentin Alice Milliat gewählt wurde. Unter der Regie der FSFI fanden 1922 (Paris), 1926 (Göteborg), 1930 (Prag) und 1934 (London) Weltspiele statt, die zunächst unter dem Namen Olympische Frauenspiele durchgeführt wurden. Nach Intervention des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wurde dann zunehmend der Begriff Frauen-Weltspiele (Women´s World Games) verwendet.

Alice Milliat nutzte die bei den Frauen-Weltspielen dargebotenen Leistungen und die wachsende öffentliche Beachtung dazu, beim IOC immer wieder Anträge auf Zulassung weiterer Sportarten für Frauen zu stellen. Avery Brundage, zu jener Zeit Präsident des IOC, war der nimmermüde Einsatz der FSFI-Präsidentin in dieser Angelegenheit derart unangenehm, dass er die Aktivitäten der Französin als Belästigung empfand.

Die Bemühungen von Alice Milliat und Gleichgesinnten legten die Basis dafür, dass sich Frauen im Laufe der Zeit einen festen Platz im Weltsport und bei Olympischen Spielen sichern konnten.

Frauen, die ihr Recht auf öffentliches Sporttreiben geltend machten, müssen als Pionierinnen des Frauensports angesehen werden.

Aus der Magisterarbeit „Frauenemanzipation im Zeichen der Olympischen Ringe“ (2010)
Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verfasserin.
Alle Rechte bei Britta Paepcke

 

1933, Deutsche Meisterschaft in Weimar; Ruth Engelhard führt das Feld an

Der Zeitgeist lässt grüßen!

Reichssportführer von Tschammer-Osten:
„Frauen haben noch das alte Gebot zu erfüllen, sich neben der Gesundheit das Eigentümliche der Frauenschönheit zu bewahren. Sie dürfen nie vergessen, unter den Sportarten auszuwählen, die ihrer Anmut, ihrer Gewandtheit und auch ihrer Schönheit dienen.“
Quelle: Frankfurter Illustrierte Nr. 35, Seite 868, 1934)

„Während die Hürdenstrecke für die Jugend und für die Frauen 80 Meter beträgt gehen die Hürdenläufe für die Männer 110 Meter. Der Hürdenlauf erfordert die seltene Vereinigung der zwei bestehenden Sportformen, der des Laufens und der technischen Übung des Sprunges. Obschon der Entstehung des Hürdenlaufes ursprünglich die bloße rasche Überwindung von Hindernissen zugrunde liegt, bietet er heute auf dem Sportplatz dem Betrachter einen stark formal ausgeprägten Genuss, denn ein Feld von Kämpfern und vor allem von Frauen, das geschlossen über die Hürden geht, vereint von Schnelligkeit und die Beherrschtheit der geradezu eleganten Bewegungen mit der Schönheit des festen, gesunden durchgebildeten Sportkörpers.
“Kommentar aus dem Jahr 1934; Quelle unbekannt.

>>> zurück