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Lothar Krieg: Olympische Spiele, Montreal 1976

Olympia, ein Traum für jeden Sportler?
Natürlich. Einer meiner Sportlehrer am Gymnasium, Herr Bethge, hatte uns Schülern schon damals empfohlen, mit dem Sparen zu beginnen, um später einmal bei Olympia dabei sein zu können. Dass ich es als Teilnehmer dorthin geschafft habe, war natürlich großartig. Nachdem ich 1976 die Medaille gewonnen hatte, hat er mir übrigens ganz herzlich per Brief gratuliert.

Fritz Schilgen gratuliert

Montreal war vermutlich Ihre erste Kontaktaufnahme mit Olympia.
Nein, ich war 1972 bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in München gewesen. Ich war ja im gleichen Jahr Deutscher Jugendmeister geworden und hatte als Belohnung eine Freikarte für die Abschlussfeier bekommen. Ich glaube, das Ticket hatte Fritz Schilgen, letzter Fackelläufer bei den Spielen 1936 in Berlin und Vereinskamerad beim ASC Darmstadt, zur Verfügung gestellt. Hin- und Rückreise erfolgten am Veranstaltungstag mit der Bahn.
Fritz Schilgen hat mir nach Montreal übrigens auch eine Gratulationskarte überreicht.

Montreal: Warm-up

Sind Sie in Montreal auch in den Einzelrennen über 400 Meter an den Start gegangen?
Nein, ich war nur für die Staffel vorgesehen. Das Jahr hatte für mich ziemlich holperig begonnen, und ich war zunächst mit meinem Leistungsvermögen sehr unzufrieden. Gerhard Hennige hat mich aber so hinbekommen, dass ich rechtzeitig zu den Olympischen Spielen mein bestes Niveau erreicht hatte. Dafür bin ich ihm auch heute noch sehr, sehr dankbar!

Vor den Spielen: Hermann, Schmid, Kinder, Hofmeister, Krieg (von links) und ein Achtzylinder

War Ihr damals aktueller Trainer Gerhard Hennige in Montreal dabei?
Nein, auch im vorgeschalteten Trainingslager nicht. Ich hatte seine Tipps im Gepäck, das musste reichen. Auch ein Telefonat zwischendurch war damals nicht so ohne weiteres möglich und außerdem sehr teuer.
In der Vorbereitungsphase haben Gerhard Hennige und der Bundestrainer Manfred Kinder allerdings mehrfach zusammengesessen und das Vorgehen in Montreal abgesprochen. Die beiden kannten sich gut, sie hatten 1968 im Mexico ja gemeinsam die Bronzemedaille über 4 x 400 Meter gewonnen.

Die Leichtathletik bei Olympia findet ja traditionell in der zweiten Woche der Spiele statt. Wie haben Sie die erste Woche verbracht?
In der ersten Woche haben wir uns auf unsere Wettkämpfe vorbereitet. Wettkämpfe anderer Sportarten habe ich nicht gesehen. In der zweiten Woche haben wir vormittags trainiert und uns an für uns wettkampffreien Tagen nachmittags die Leichtathletik-Wettbewerbe angesehen. Für mich war das sehr beeindruckend.

Wie haben Sie das Olympische Dorf erlebt?
Das war ebenfalls sehr beeindruckend. Das Dorf bestand aus zwei Hochhauskomplexen im Terrassenstil, die Wohneinheiten wurden später als Eigentumswohnungen verkauft. Die meisten Mannschaften waren hier komplett untergebracht. Nach den schlimmen Erfahrungen bei den Spielen 1972 in München, war das Dorf abgesichert, aber die Sicherheitsmaßnahmen haben die Stimmung im Dorf nicht wesentlich beeinträchtigt. Verpflegung stand durchgängig zur Verfügung, und kulturell wurde auch so einiges geboten. Für Ablenkung war auf jeden Fall gesorgt.

Gab es Kontakte zu anderen Sportlern?
Ja, aber hauptsächlich zu Sportlern aus der eigenen Mannschaft. Mit Harald Schmid habe ich viele Jahre lang in engem Kontakt gestanden, und die anderen Staffel-Kameraden habe ich immer mal wieder getroffen. Aber viele andere intensive Freundschaften sind damals nicht entstanden.

Gab es eine Hackordnung in der Mannschaft?
Nein, es lief alles auf ein faires Miteinander hinaus. Es war lange Zeit völlig offen, wer von uns in der Staffel zum Einsatz kommen würde. Franz-Peter Hofmeister, Bernd Herrmann und Karl Honz waren auch in den Einzelrennen gestartet; Karls Honz wurde dann vom Bundestrainer Manfred Kinder aussortiert, da er die schlechteste Zeit von den Einzelstartern erreicht hatte. Harald Schmid, Rolf-Rüdiger Schlösske und ich mussten mehrere Testläufe absolvieren. Harald Schmid und ich waren schließlich für die Staffel qualifiziert.

Wie beschwerlich war der Weg in den Endlauf?
Die Vorläufe waren für uns relativ einfach gewesen. Unser Startläufer Hans-Peter Hofmeister und ich als Zweiter mussten schon die volle Leistung bringen, und auch Harald Schmid auf Position drei durfte sich nicht schonen. Nur Bernd Herrmann als Schlussläufer konnte sich auf der Zielgeraden vielleicht ein wenig zurücknehmen, wenn abzusehen war, dass wir uns für die nächste Runde qualifizieren würden.

Staffel-Finale: Perfekter Wechsel (Schmid auf Hermann)

Montreal: Das Finale

Nehmen Sie mich doch jetzt bitte einmal mit in das Staffel-Finale.
Eine Medaille hatten wir nicht erwartet, bestenfalls erhofft. Hans-Peter Hofmeister auf der Startposition brachte eine solide Leistung, übergab vielleicht auf Position 5 oder 6. In meinem Rennen hatte ich es mit dem Polen Jan Werner zu tun, der im Einzelrennen den Endlauf erreicht hatte. Ich habe alles versucht das Tempo des Polen mitzugehen und konnte dann tatsächlich hinter ihm das Staffelholz an Harald Schmid übergeben. Harald Schmid hat Platz 3 zunächst einmal gehalten, musste auf der Gegengeraden aber einen Gegner passieren lassen, damit waren Platz drei und eine Olympische Medaille erst einmal verloren. Mir ist in diesem Moment das Herz schon einmal in die Hose gerutscht. Zum letzten Wechsel hin kämpfte sich Harald Schmid aber wieder auf den dritten Platz zurück. Bernd Herrmann als großgewachsener Läufer mit langen Beinen ließ dann nichts mehr anbrennen und brachte das Staffelholz für uns als Dritter ins Ziel. Das war für uns die Bronzemedaille!

Medaillenanzug von 1976

Was ist besonders schön bei einem Medaillengewinn?
Alles! Der Moment, in dem die Medaille beim Zieldurchlauf gesichert ist, der erste Jubel gemeinsam mit den Staffelkameraden, die Siegerehrung im vollbesetzten Stadion. Einfach alles!
Abends gab es dann eine Feier in einem noblen Hotel mit edlem Mobiliar und Samttapeten an den Wänden. Unter den Gästen war auch die Ärzteschaft mit den Medizinern Keul und Klümper. Professor Klümper hatte an diesem Abend dem Alkohol ein wenig zu sehr zugesprochen und reihenweise Windbeutel gegen die rote Samttapete geworfen. Das Gebäck platzte natürlich auf und die weiße Sahne lief langsam die Samttapete hinunter. Leider gibt es von dieser Aktion keine Fotos.

Bei der Siegerehrung erschien die deutsche Staffel in weißen Anzügen!
Es gab in Montreal für das deutsche Leichtathletik-Team einen weißen Medaillen-Anzug, der bei Siegerehrungen getragen werden sollte. Am Morgen des Final-Tages haben wir noch darüber diskutiert, ob wir diesen Anzug tatsächlich mit ins Stadion nehmen sollten. Wir haben uns dann gemeinsam dafür entschieden und konnten den Anzug vor der Siegerehrung dann über unsere Trainingsanzüge streifen.

Gibt es den weißen Medaillenanzug noch?
Ja, er passt mir auch heute noch. Mein Wettkampfgewicht lag bei 73 Kilo, heute sind es um die 80. Alle vier Jahre zu den Olympischen Sommerspielen wird der Anzug probegetragen. Außerdem wird dann auch die Medaille geputzt.

Harald Schmid wird rasiert

Ist irgendeine Begebenheit aus der Olympia-Zeit in besonderer Erinnerung geblieben?
Da fällt mir spontan das von Harald Schmid initiierte Spiegeleier-Wettessen ein. Wir sind während des Frühstücks immer wieder ans Buffet gegangen und haben uns dann eine größere Menge an Spiegeleiern einverleibt. Ich glaube, Harald stand am Ende bei dreizehn, und ich hatte zwölf Spiegeleier in mich hinein gestopft. Nachmittags stand dann ein Testrennen auf dem Programm, es gab keine negativen körperlichen Reaktionen, und unsere Laufergebnisse waren ausgezeichnet.
Im Zusammenhang mit Harald Schmid gab es dann noch eine andere Wette. Im Falle eines Medaillengewinns, mit dem wir alle aber nicht wirklich gerechnet hatten, sollte er seinen Kinnbart opfern. Und ich hatte zugesagt, mir in diesem Fall einen Bart wachsen zu lassen, Genauso haben wir das dann nach dem Finale auch gemacht. Ich bin dann einige Zeit mit so einem komischen Kinnbart herumgelaufen.

Medaille und Silbernes Lorbeerblatt

Von Ihrem Staffel-Kollegen Bernd Herrmann wird berichtet, dass er seine Medaille einer mannshohen Holzstatue umgehängt hat und dieses Ensemble daheim im Eingangsbereich präsentiert. Wo bewahren Sie Ihre Medaille auf?
Meine Medaille liegt in der dazugehörigen Schmuck-Schatulle. Wie bereits erwähnt, wird die Medaille immer zu den Olympischen Sommerspielen herausgeholt und poliert.

Für die Medaillengewinner gibt es später in der Heimat das Silberne Lorbeerblatt. Wer hat Ihnen dieses überreicht?
Der damalige Bundespräsident Walter Scheel.

Mit welchem Gefühl sind Sie als Zwanzigjähriger zur Verleihung gefahren?
Ich denke, dass ich diese Zeremonie heute mehr würdigen könnte. Für mich zählte die Medaille, die spätere Ehrung war für mich damals mehr oder weniger nur Beiwerk. Im Laufe der Jahre hat diese Auszeichnung aber immer mehr an Wert gewonnen.


Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5

Bild 1 - 4: Olympische Bronzemedaille, Montreal 1976 und Schmuckschatulle
Bild 5: Anstecknadeln - Silbernes Loorbeerblatt, 30 Länderkämpfe für Deutschland, Deutscher Meister 1976


Prämien: Auch Anreiz zum Betrug?

Gab es Prämien für den Gewinn der Bronzemedaille?
Die Kommerzialisierung im Sport war zu meiner Zeit noch nicht weit fortgeschritten. Wir sind als Amateure an den Start gegangen und sind eigentlich für die Ehre gelaufen. Nach den Spielen gab es allerdings kleine Sachgeschenke von der Firma Adidas.

Finanzielle Unterstützung gab es nicht?
Finanzielle Unterstützung gab es von der Sporthilfe. Als ich Deutscher Jugendmeister geworden war, kam der damalige Bundestrainer Manfred Kinder auf mich zu und eröffnete mir, dass ich jetzt in den Genuss einer Förderung durch die Deutsche Sporthilfe kommen würde. Ich hatte davon vorher noch nie etwas gehört und war total perplex. Dass ich Sport treiben durfte und noch Fördergelder erhalten sollte, war eine riesengroße Überraschung für mich.

Um welchen Betrag ging es dabei?
Ich glaube, es waren 175,00 DM im Monat.

Gab es weitere Einnahmequellen?
Bei größeren Sportfesten gab es schon mal unter der Hand kleinere Beträge. Für mich als Schüler oder später als Student waren das willkommene und wichtige Zuwendungen.

Schaden diese Zahlungen nicht dem Sport?
Sie verleiten sicherlich dazu, das eigene Leistungsvermögen zu manipulieren, unerlaubte Mittel auszuprobieren, um dadurch bessere Leistungen zu erzielen. Sprich zu dopen.

Walter Schmidt in Montreal

Hatten Sie Berührungspunkte mit dem Thema Doping?
Persönlich nicht, auf mich ist niemals jemand zugekommen, um mir unerlaubte Mittel aufzuschwätzen. Ich hätte auch nichts genommen, da ich mich auch später noch im Spiegel anschauen wollte, ohne ein schlechtes Gewissen bekommen zu müssen. Hier und da wurden zu anderen Athleten zwar Mutmaßungen angestellt, aber konkrete Fälle waren mir nicht bekannt.

Walter Schmidt, ein Hammerwerfer vom ASC und wie Sie in Montreal dabei, hat später ja zugegeben, Dopingmittel genommen zu haben.
Ja, gerade in den Kraftsportarten haben wohl einige Athleten Dopingmittel ausprobiert. Leider sind auch einige von denen frühzeitig verstorben, andere haben gravierende gesundheitliche Schäden davongetragen.

Die Zeit nach Montreal

1980 standen wieder Olympische Sommerspiele an. Diese Spiele in Moskau wurden von vielen westlichen Staaten, unter anderem von der Bundesrepublik, boykottiert. Wie haben Sie diesen Boykott empfunden?
Schon während unserer Trainingslager in Mexico City und Kalifornien hatte sich ein Boykott angedeutet. Die meisten Sportler waren darüber sehr enttäuscht. Ich hatte in Montreal eine Olympische Medaille gewinnen können. Aufgrund dieser Tatsache konnte ich mit einem Boykott sicherlich ein wenig entspannter umgehen als viele Mannschaftskameraden. Vielen anderen Sportlern wurde durch den Boykott deren erste und in vielen Fällen sicherlich auch einzige Chance auf eine Olympische Medaille genommen. Im Olympiajahr 1980 war ich persönlich nicht auf dem Niveau wie 1976. Ob ich in Moskau für die Staffel nominiert worden wäre, war völlig unsicher. Vielleicht wäre ich dort auch gar nicht zum Einsatz gekommen. Die Teilnahme an den Spielen wäre natürlich auch als Ersatzmann lohnenswert gewesen. Aber jeder Sportler zieht natürlich die aktive Teilnahme vor. Mein 1976er Staffel-Kollege Harald Schmid war 1980 in der Form seines Lebens, hätte in Moskau sicherlich gute Chancen auf den Olympiasieg über 400 Meter flach gehabt. Er ist durch den Boykott um eine sehr große Chance gebracht worden.

Waren Sie nach Montreal noch einmal als Zuschauer bei Olympischen Spielen?
Nein, das hat sich nicht ergeben. Es könnte aber ein lohnenswertes Ziel sein, wenn ich in naher Zukunft in den Ruhestand gehe. Grundsätzlich stehe ich einem Besuch großer Sportveranstaltungen aber immer ein wenig kritisch gegenüber, da die Eintrittspreise ja mittlerweile unverschämt hoch sind. Und die besten Plätze im Stadion bleiben oft leer, da sie an Sponsoren vergeben und von den Unternehmen dann nicht genutzt werden. Als Sportler habe ich mich immer über ein voll besetztes Stadion gefreut.

Die Bronzestaffel von Montreal

Werden Sie im heutigen Alltag noch auf die Medaille 1976 angesprochen?
Eher weniger. Beruflich bin ich am Flughafen als Sportlehrer und Sporttherapeut angestellt. Dort habe ich überwiegend mit Erwachsenen zu tun. Die älteren Jahrgänge meiner Kunden sprechen mich schon ab und zu darauf an. Ich beantworte alle Fragen gern, aber ich muss auch sagen, dass ich meine Persönlichkeit nicht über einen sportlichen Erfolg, über eine Medaille definiere.

Gibt es heute noch Autogrammwünsche?
Ab und zu kommt noch einmal ein Brief mit einem Autogrammwunsch ins Haus. Ich beantworte jeden Brief, lasse mir mit der Antwort aber häufig zu viel Zeit.

Auf der Internetseite eines Künstlers war eine Ihrer Autogrammkarten abgebildet, wobei Ihr Portrait stark entstellt worden war.
Es ist schon sehr unschön, wenn man auf diese Art verunglimpft wird, und ich frage mich, was das soll. Abgesprochen war die Aktion mit mir nicht. Meine Frau hat zu diesem Thema noch einmal nachgehakt. Die entsprechende Mitteilung ihrerseits blieb aber bisher unbeantwortet. Allerdings wurde das Motiv mittlerweile von der Internetseite entfernt.