Bundesweite Termine

05.01.2021
Grußwort

Steter Mahner für die Olympischen Kernwerte

05.01.2021
DOG

70 Jahre Deutsche Olympische Gesellschaft

17.11.2020
Neckaralb

Ehrung des Turngaus Zollern-Schalksburg

06.11.2020
Berlin

Mitgliederversammlung: DOG-Präsidium mit bekannten und neuen Namen

05.11.2020
Nachruf

Ehrenmitglied Hubert Hey verstorben

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Lothar Krieg: Sportlicher Werdegang

Einstieg in den Sport

Wann und wo haben Sie erste Erfahrungen mit dem Sport gesammelt?
Zu Beginn meiner Grundschulzeit habe ich festgestellt, dass ich ein flinker Läufer bin. Meinen Bruder, der drei Jahre älter ist als ich, habe ich zu dieser Zeit bereits abgehängt. Sport und Bewegung haben mir schon zu dieser Zeit Spaß gemacht.

Dieter Breiholz

Wie kamen Sie dazu, einem Verein beizutreten?
Bei den Bundesjugendspielen hat mich mein späterer Trainer Dieter Breiholz beobachtet und mich gefragt, ob ich nicht in den ASC eintreten wolle. Ich war gerade erst ins Gymnasium gewechselt. Meine Eltern haben mir den Eintritt in den Verein unter der Bedingung in Aussicht gestellt, dass ich im nächsten Zeugnis nur Einser, Zweier und Dreier heimbringen würde. Ich habe mich ein wenig angestrengt und dieses Ziel tatsächlich erreicht. Damit durfte ich in den ASC eintreten. In der Leichtathletik startete ich anfangs in der Altersklasse der A-Schüler und durfte auch schon bald an ersten Wettkämpfen teilnehmen.
Mein erster Trainer Dieter Breiholz war ein begnadeter Pädagoge und hatte ein gutes Händchen im Umgang mit uns jungen Sportlern. Er hatte Sport und Geografie studiert und war in meinen beiden letzten Schuljahren mein Sportlehrer am LGG.

Waren Sie auch in anderen Sportarten aktiv?
Auch im Schwimmen war ich sehr gut. Ich war schnellkräftig, was sowohl im Sprint als auch auf den kürzeren Schwimmdistanzen von Vorteil ist. Zeitweise habe ich auch mit dem Gedanken gespielt in den DSW, dem Darmstädter Schwimmverein einzutreten. Meine Entscheidung fiel zugunsten der Leichtathletik aus, da es mir einfach keinen Spaß gemacht hätte immer wieder im kalten Wasser zu trainieren. Das Trainingsbad gab es zu jener Zeit noch nicht, und trainiert wurde ausschließlich unter freiem Himmel.

Motivierendes Jugendbuch

Was war der erste Kontakt mit dem „großen“ Sport?
Von meiner Halbschwester hatte ich einige Exemplare des Heftes „Rasselbande“ bekommen. In den 1950er Jahren war das eine beliebte Jugendzeitschrift. Ein fester Bestandteil in der „Rasselbande“ waren Beiträge aus der Welt des Sports, zum Beispiel Berichte über die Olympischen Spiele, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Später hat mir dann ein Mitschüler ein Buch mit dem Titel „Rolf wird Leichtathlet“ geschenkt. In dem Buch ging es um zwei Freunde, einer davon hochbegabt und faul, der Andere weniger begabt und trainings-fleißig. Am Ende überflügelt der weniger Begabte seinen Freund. Für mich war das spannend, ich habe das Buch immer wieder gelesen. Die Kernaussage des Buches, dass man durch Fleiß und harte Arbeit viel erreichen kann, hat heute mehr denn je Gültigkeit. Das Buch ist irgendwann verloren gegangen. Vor einigen Jahren habe ich es aber im Antiquariat entdeckt und sofort erworben. Das Buch hat mich motiviert und eine Phase meiner Jugend mitgeprägt.

1964 kamen die erfolgreichen Darmstädter Schwimmerinnen und Schwimmer von den Olympischen Spielen in Tokio zurück. Ihnen wurde in der Darmstädter Innenstadt ein großer Empfang bereitet. Zu diesem Zeitpunkt waren Sie fast neun Jahre alt. Haben Sie dieses Ereignis bewusst erlebt?
Nur ganz am Rande. Meine Mutter hatte erwähnt, dass hier anlässlich der Rückkehr der Olympioniken etwas stattfinden sollte. Aber wir sind dann am Ende doch nicht dabei gewesen. Registriert habe ich den Anlass zwar, aber ganz tief in mein Bewusstsein ist das Ganze nicht gedrungen.

Waren die 400 Meter sofort Ihre Lieblingsstrecke?
Ich startete erst einmal im Sprint, zunächst über 75 Meter, später dann über 100 Meter. Natürlich habe ich mich auch in anderen Disziplinen versucht, unter anderem im Weitsprung, im Stabhochsprung und im Mehrkampf. Aber der Sprint war meine besondere Stärke.
Mein Trainer Dieter Breiholz beobachtete meine Entwicklung kontinuierlich und ließ mich im Laufe der Zeit vermehrt die 200 und 400 Meter laufen.

Hochschulstadion Darmstadt 1970: Sieg im ersten 400 Meter-Lauf in 52,3 Sekunden

Umstieg auf die Stadionrunde und ein Trainerwechsel

Was genau war der Grund zum Wechsel auf die 400 Meter?
Der Grund war mein Durchhaltevermögen. Über 200 Meter wurde sehr schnell deutlich, dass ich auf dem letzten Streckenabschnitt noch zulegen konnte. Andere Läufer starteten dagegen schneller als ich, brachen aber auf der Zielgeraden förmlich ein. Trainer Breiholz hatte das schon früh erkannt und mir die 400 Meter empfohlen.
Für mich war das ein einschneidendes Erlebnis. Meine Bestzeiten über diese Distanz konnte ich sehr schnell verbessern, von 52,3 Sekunden über 50,6 Sekunden bis unter die 50-Sekunden-Marke benötigte ich nur wenige Läufe.

Wie sah es mit Erfolgen aus?
Mein erster Versuch über 400 Meter verlief überaus erfolgreich, das müsste 1970 gewesen sein. 1971 wurde ich Hessischer Jugendmeister über die 400 Meter, und schon ein Jahr später wurde ich Deutscher Jugendmeister über die gleiche Strecke.

Warum haben Sie nach ersten Erfolgen den Trainer gewechselt?
Der Wechsel von Dieter Breiholz auf Gerhard Hennige erfolgte in der Saison 1973/74. Initiiert wurde er von Dieter Breiholz selbst, der zu diesem Zeitpunkt der Meinung war, mir keine Anreize für eine weitere Leistungssteigerung bieten zu können. Diese Entscheidung muss ich ihm auch heute noch hoch anrechnen.

Mit gutem Beispiel voran: Gerhard Hennige, Lothar Krieg
Deutscher Meister 1976

Was hat Gerhard Hennige anders gemacht?
Gerhard Hennige hat mehr Wert auf die Koordination gelegt, hat mich sehr viele Übungen machen lassen, die meine koordinativen Fähigkeiten verbessert haben. Er hatte einen sehr guten Blick für Lauftechnik, Laufstil und Bewegungsabläufe und hat bei mir über diesen Weg etliche Kleinigkeiten verbessert. Er hatte natürlich selbst umfangreiche Erfahrungen auf höchstem Niveau gesammelt, die er an mich weitergeben konnte. Außerdem hat er mehr akzeptiert; zum Beispiel durfte ich meine Freundin mitbringen, was Trainer Breiholz bestenfalls widerwillig akzeptiert hätte. Gerhard Hennige war insgesamt ein wenig lockerer drauf.

Gerhard Hennige war ja ein sehr erfolgreicher Hürdenläufer. Hat er Ihnen im Training auch schon mal ein paar Hürden in den Weg gestellt?
Mein erster Trainer Dieter Breiholz hatte das zuvor bereits versucht, aber das war überhaupt nicht mein Ding und hat mir absolut keinen Spaß gemacht! Gerhard Hennige hat dieses Thema nicht mehr aufgegriffen.

Länderkämpfe im deutschen Trikot

Sie sind bei zahlreichen Länderkämpfen für Deutschland gestartet. Wieviele Länderkämpfe waren es insgesamt?
In der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum des ASC Darmstadt sind die ersten 25 Länderkämpfe, die ich als Aktiver dieses Vereins bestritten habe, genauestens aufgelistet. Eine weiterführende Auflistung ist mir nicht bekannt. In der Statistik der Eintracht Frankfurt werde ich sogar mit 34 Länderkämpfen geführt. Tatsächlich habe ich eine Ehrennadel zum 30. Länderkampf bekommen. Die im Internet mehrfach gelistete Zahl von 29 Länderkämpfen ist definitiv falsch.Als 400 Meter-Läufer hat man es natürlich leichter nominiert zu werden als in anderen Disziplinen, da bei Großereignissen neben dem Einzelrennen auch immer eine Staffel ausgetragen wird. Zu solchen Anlässen werden immer sechs Athleten mitgenommen, einige von denen starten auch im Einzelwettbewerb, andere müssen sich mit der Rolle als Ersatzmann zufriedengeben, und auf jeden Fall kommen vier Sportler in der Staffel um Einsatz. Bei vielen Länderkämpfen bin ich sowohl im Einzelwettbewerb als auch in der Staffel eingesetzt worden.

Gibt es einen Länderkampfeinsatz, den man besonders herausheben kann?
Bei einem Länderkampf 1975 in Durham in den USA ist unsere Staffel Europarekord über 4 x 440 Yards gelaufen. 440 Yards werden auf unserem Kontinent zwar nicht so häufig gelaufen, aber Europarekord ist Europarekord.
Hier gab es auch noch eine Begegnung der besonderen Art.

Fast schon eine Reliquie: Autogramm von Jesse Owens

Bemerkenswerte Sportler und Highlights im Stadion

Welche?
Meine ersten Berichte von Olympischen Spielen hatte ich in der Zeitschrift „Rasselbande“ gelesen. Das war in den 1960er Jahren. Von den Spielen 1936 in Berlin wusste ich eigentlich nichts, auch der erfolgreichste Athlet, Jesse Owens, war mir nicht bekannt. Bei einem Bankett während unseres Länderkampfes in den USA ging auf einmal ein Raunen durch den Saal, als ein schwarzer US-Amerikaner den Raum betrat. Es war tatsächlich der mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannte Jesse Owens, der sofort von zahlreichen Gästen umringt wurde. Mein Mannschaftskamerad Bernd Herrmann forderte mich auf, mir doch ein Autogramm zu holen. Die Begebenheit habe ich erst viel später würdigen können, und das Autogramm halte ich heute noch in Ehren.

Gibt es heute aktive Sportlerinnen oder Sportler, die Sie als besonders bemerkenswert ansehen, die für die Jugend als Vorbild dienen können?
Dirk Nowitzki kommt diesem Anspruch auf jeden Fall sehr nahe. Er ist als fairer Sportsmann anerkannt, hat mehr als 20 Jahre für dasselbe Team gespielt und kommt auf jeden Fall authentisch rüber. Von den deutschen Leichtathleten gefällt mir Robert Harting wegen seiner unverfälschten Art.

Sieg in Düsseldorf: Harald Schmid, Franz-Peter Hofmeister, Bernd Herrmann, Lothar Krieg

Welche sportlichen Highlights gab es neben Olympia und den Länderkämpfen?
Ein besonderes Highlight abseits der Länderkämpfe war der World Cup 1977 in Düsseldorf, der als Vorläufer der späteren Weltmeisterschaften ab 1983 eingestuft werden muss. Hier waren wir mit der 4 x 400 Meter-Staffel erfolgreich, profitierten allerdings vom Pech der Amerikaner, deren Schlussläufer auf Grund einer Zerrung das Rennen nicht beenden konnte.1978 habe ich bei den Europameisterschaften in Prag den vierten Platz belegt. Ich war im Vorfeld verletzt gewesen, und vier Wochen fehlendes Aufbautraining kann man nicht einfach so kompensieren. 46,22 Sekunden waren OK, aber eine 45er Zeit war für mich nach der Vorgeschichte in dem Jahr einfach nicht möglich gewesen.

Vereinswechsel

Sie haben beim ASC Darmstadt mit der Leichtathletik begonnen, sind dann 1979 bis 1990 für die Eintracht in Frankfurt gestartet. Warum haben Sie gewechselt?
Etliche Weggefährten beim ASC hatten ebenfalls den Verein gewechselt. Außerdem wurde es damals gerade populär, dass den Athleten unter der Hand etwas bezahlt wurde. In diesem Bereich hatte die Eintracht deutlich bessere Möglichkeiten als der ASC. Irgendwie brauchte ich auch neue Anreize und eine neue Herausforderung. Die Zeit für einen Wechsel war reif. Vor allem in der Vereinsstaffel über 4 x 400 Meter und in der nationalen Mannschaftswertung rechnete ich mir in Frankfurt bessere Chancen aus.

Frankfurt-Marathon

Gab es dann tatsächlich weitere Titel im Eintracht-Trikot?
Erst einige Jahre später, dann in der Altersklasse ab 30 Jahren, hat es zu weiteren nationalen Titeln gereicht.
Im Zuge einer Wette bin ich dann auch irgendwann beim Frankfurt-Marathon angetreten. Ich habe die klassische Distanz in weniger als vier Stunden absolviert.

Waren Sie in Frankfurt auch als Trainer aktiv?
Ich habe bei der Eintracht für einige Zeit den 400 Meter-Läufer Bodo Kuhn betreut. Bodo hat es bis zu den Olympischen Spielen 1988 in Seoul geschafft, wurde dort aber im Staffel-Finale nicht eingesetzt. 

In den Jahren 1987 und 1988 werden Sie als Deutscher Bundestrainer im 400 Meter-Bereich geführt.
Das war ein mehr oder weniger kurzes und nicht sehr befriedigendes Kapitel. Zu dem Job bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich sollte Harald Schmid diesen Job übernehmen, wollte aber aus verschieden Gründen nicht zusagen. Wir haben die Trainertätigkeit dann offiziell zusammen ausgeübt, aber Harald hatte mir schon vorher gesagt, dass die Arbeit mehr oder weniger an mir hängen bleiben würde. Irgendwie lief das Ganze von Anfang an ziemlich holprig. Geärgert hat mich nicht zuletzt auch das Verhalten des Leichtathletik Verbandes. Zu den Olympischen Spielen nach Seoul wurde ich als Bundestrainer nicht eingeladen, stattdessen durften verschiedene Heimtrainer der Athleten zu den Spielen reisen. Die Vorgehensweise war doch sehr seltsam! Eine Vertragsverlängerung hat man mir nach den Spielen in Seoul nicht angeboten.

Das war zugleich das Ende Ihrer Trainertätigkeit?
Beim TuS Griesheim habe ich mich danach noch lange Jahre im Kinder- und Jugendbereich engagiert.

Staffeln im Laufe der Zeit


Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5

Bild 1: 1975, Durham, Europarekord, Krieg, Hofmeister, Hermann, Holz
Bild 2: 1976, Montreal, Bronzemedaille, Hofmeister, Krieg, Hermann, Schmid
Bild 3: 1980, Trainingslager Mexico-City, Skamrahl, Krieg, Schmid, Weppler
Bild 4: 1980, Trainingslager San Diego, USA, Weppler, Skamrahl, Krieg, Weber
Bild 5:1989, Seniorenstaffel der Eintracht Frankfurt, Harbrecht, Schöllhorn, Krieg, Steyer


Rekordentwicklung

1976 haben Sie bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften mit 45,64 Sekunden Ihre persönliche Bestzeit aufgestellt. Bei den Deutschen Meisterschaften 2018 kam der Erstplatzierte in 45,70 Sekunden ins Ziel. In rund vier Jahrzehnten hat sich hier offensichtlich nicht sehr viel getan?
Ich beobachte die Entwicklung seit vielen Jahren. Vermutlich gibt es für diese Stagnation verschiedene Ursachen. Die Wertvorstellungen der Jugendlichen haben sich entscheidend geändert, heute will sich kaum noch jemand quälen. Easy-going ist angesagt. Von den Sportarten steht allein der Fußball im Fokus, andere Sportarten werden mehr oder weniger totgeschwiegen. Viele Kinder und Jugendliche kommen beim Fußball unter, weil man da bis zu einem gewissen Grad auch von der Leistung seiner Mitspieler profitieren kann. In der Leichtathletik, wo nach Zentimetern und Hundertstelsekunden bewertet wird, ist das kaum machbar.

Der Weltrekord über 400 Meter wurde zuletzt 2016 verbessert und steht jetzt bei 43,03 Sekunden. Ist man international leitungsbereiter?
Genetische Voraussetzungen, interne Konkurrenz, finanzielle Anreize oder ein erhoffter sozialer Aufstieg können außergewöhnliche Leistungen begünstigen. Die Trainingsmethoden heutzutage sind auf jeden Fall ausgereifter und effektiver als früher. Doping könnte ebenfalls ein Grund sein, aber nicht jede gute Leistung muss auf Doping zurückzuführen sein.

Haben Sie heute noch Beziehungen zum ASC?
Nur sporadisch. Anlässlich meines sechzigsten Geburtstages habe ich auch einige Weggefährten aus meiner aktiven Zeit eingeladen, das war schon sehr interessant. Vielleicht werde ich die Kontakte demnächst wieder verstärken.