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Walther Tröger: Karrierestart in Darmstadt

Studium und erste Erfahrungen im Hochschulsportverband

Mitte der 1950er Jahre haben Sie eine Tätigkeit beim ADH (Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband) aufgenommen. Wie haben Sie die Zeit zwischen Abitur und der Tätigkeit beim ADH verbracht?
Vom Herbst 1947 bis 1951 habe ich in Erlangen Jura studiert. Während dieser Zeit habe ich verschiedene Sportarten aktiv betrieben. Ich habe an Ski-Meisterschaften teilgenommen, habe Fußball und Handball gespielt und in dieser Zeit mit dem Basketball begonnen. Vor allem aber war ich der Leichtathletik zugetan. In der Leichtathletik habe ich mich auch im Verein beim TV Erlangen und später beim 1. FC Nürnberg als Mittelstreckler eingebracht.

Das Interesse galt zu dieser Zeit ausschließlich dem aktiven Sporttreiben?
Nein. An der Hochschule habe ich mich auf verschiedenen Ebenen für die Interessen der studentischen Sportler engagiert, war Obmann und studentischer Sportreferent. Schon zu dieser Zeit habe ich ehrenamtlich im Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband mitgearbeitet. 

Wie ging es weiter nach dem Jurastudium?
1951 habe ich das Studium mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen. Von 1951 bis 1953 war ich dann Referendar in Nürnberg. Während der Referendarzeit muss man Erfahrungen in der Praxis sammeln, ist mal in einer Kanzlei und wird auch schon mal als Pflichtverteidiger eingesetzt.

Walther Tröger 1998 (Quelle ADH)

Der Einstieg beim ADH: "Wir haben getan, was gemacht werden musste."

1953 begann dann Ihre Zeit beim ADH.
Ja, Anfang 1953 bin ich beim ADH eingestiegen. Ich hatte mich als Referendar zunächst beurlauben lassen, bin dann aber schon bald komplett ausgeschieden.

Gab es eine Ausschreibung für den Posten beim ADH?
Ich war ja schon längere Zeit ehrenamtlich im ADH tätig, war zudem kurz vorher in den Vorstand gewählt worden. Da liegt es nahe, dass ein geeigneter Kandidat persönlich angesprochen wird. Mein Freund Helmut Meyer, den ich kurz vorher noch bei der Wahl zum ADH-Präsidenten unterstützt hatte, brachte das Thema auf den Tisch. Er sagte, er habe gehört, ich sei als Referendar und mit dem Thema Jura nicht so ganz glücklich und fragte, ob ich Interesse an einer Tätigkeit im ADH habe. Gern habe ich das Angebot angenommen. Helmut Meyer war mein Präsident und ich wurde sein Generalsekretär.

Wie viele Personen waren beim ADH angestellt, als Sie 1953 den Posten des Generalsekretärs übernahmen?
Neben mir als Vollzeitkraft war damals noch eine HaIbtagskraft als Sekretärin für den ADH tätig.

Gab es eine Arbeitsplatzbeschreibung?
Nein. Es lag ja alles noch in den Anfängen. Wir haben das getan, was gemacht werden musste. Das Umfeld ist mit dem heutigen Aufgabenbereich des ADH kaum zu vergleichen. Zu jener Zeit gab es in der Bundesrepublik 32 Hochschulen, heute sind es mehr als 200. Es ging im Wesentlichen um den studentischen Wettkampfsport, vor allem um die Durchführung von Hochschulmeisterschaften, die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen und um den Ausbau der internationalen Beziehungen.

Sind Sie aus Erlangen direkt nach Darmstadt gezogen?
Nein, zunächst ging es nach Dortmund. Es stand zwar fest, dass die ADH-Geschäftsstelle in Darmstadt eingerichtet werden sollte, aber für kurze Zeit war mein Arbeitsplatz in Dortmund. Mitte Februar war dann die Geschäftsstelle in Darmstadt bezugsfertig.

Hatten Sie vorher bereits Kontakte in Richtung Darmstadt?
Nein, Darmstadt und auch das übrige Hessen hatte ich nicht näher kennengelernt.

Wie sah Darmstadt zur Zeit Ihres ersten Besuchs aus. Waren die Kriegsschäden noch deutlich erkennbar?
Darmstadt war zu diesem Zeitpunkt eine im Aufbau begriffene Stadt. Wie überall in Deutschland und auch in anderen Ländern waren die Spuren des Krieges aber noch erkennbar.

Wo war die ADH-Geschäftsstelle untergebracht?
Im Hauptgebäude der Universität hatte man uns einen Raum zur Verfügung gestellt. Hier habe ich zusammen mit meiner Sekretärin gearbeitet.

Walther Tröger 2018 (Quelle: ADH)

"Die Tätigkeit beim ADH war eine sehr gute Vorbereitung ..."

Gab es besondere Highlights während Ihrer Zeit beim ADH?
Die Tätigkeit dort hat mir insgesamt sehr viel Freude gemacht. Ich habe mich sehr in die Aufgaben reingekniet. Der ADH war ja eine Gründung von Studenten, aber die Hochschulsportlehrer hatten in diesem Umfeld sehr wichtige Funktionen. Der Kontakt mit den Hochschulsportlehrern war sehr gut, viele von ihnen sind später meine Freunde und auch Kollegen beim DSB geworden.
Ich war dann für den ADH auch in verschiedenen Kommissionen der FiSU, dem Internationalen Hochschulsport Verband, aktiv und habe dort viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Die Tätigkeit beim ADH war eine sehr gute Vorbereitung auf alle Aufgaben, die ich später wahrnehmen durfte.

Gibt es Kontakte aus der ADH-Zeit, die über einen längeren Zeitraum hinweg Wegbegleiter oder gute Freunde geblieben sind?
Da ist auf jeden Fall Helmut Meyer zu nennen, mit dem ich in der Anfangszeit beim ADH eng zusammengearbeitet habe. Diese Zusammenarbeit setzte sich auch später fort, als er Leiter des Leistungssports beim DSB war. Viele Kontakte sind geblieben, aber nicht so, dass es besonders signifikant gewesen wäre. Ich habe noch heute Verbindungen mit Günter Willmann, der später mein Präsident beim ADH wurde. Götz Stumpf ist hier zu erwähnen, unser Finanzreferent, der mir gerade noch zu meinem 90. Geburtstag gratuliert hat. Einige Verbindungen sind auf jeden Fall lange fortgeführt worden.

Vom Basketball in Darmstadt bis zum US Dream Team: Der Basketball-Funktionär 

Welche bleibenden Erinnerungen hat die Stadt Darmstadt bei Ihnen hinterlassen, positiver oder auch negativer Art?
Ich habe nur positive Erinnerungen an meine Darmstädter Zeit. Ich bin bis heute Mitglied in der ATV, der Akademischen Turnverbindung, in Darmstadt. Für einige Zeit war ich als Läufer Mitglied beim ASC Darmstadt, habe dann aber mit dem aktiven Sport aufgehört. Meine wichtigste Aufgabe im Nebenamt war aber meine ehrenamtliche Tätigkeit beim Basketball. Zum Basketball kam ich über meine Tätigkeit beim ADH. Hier hatte ich 1954 in Darmstadt ein Länderspiel der Studenten zwischen Deutschland und Frankreich organisiert. Über diesen Anlass kam ich zum Basketball, wurde später auch Mitglied im BC Darmstadt, der damals einer der führenden Basketball-Vereine in Deutschland war. Beim BCD habe ich auch kurze Zeit als Trainer gewirkt. Über mein Engagement in Darmstadt bin ich dann zum Hessischen Basketball Verband und zum Deutschen Basketball Bund gekommen.

Wer hat Sie bei der Organisation dieses Länderspiels unterstützt?
Da ist auf jeden Fall Theo Claußen zu nennen, der ja den Basketball in Südhessen implementiert und in Roßdorf eine der ersten Basketball-Abteilungen in Deutschland aufgebaut hat. Theo Claußen war zudem damals Präsident des Hessischen Basketball Verbandes; ich habe dann später seine Nachfolge angetreten. Unterstützt hat natürlich auch der BC Darmstadt als Verein, der sich engagiert in die Organisation der Veranstaltung eingebracht hat.

Herrschten im Umfeld des studentischen Frankreich-Länderspiels Ressentiments?
Deutsche und Franzosen hatten ja schon seit längerem gemeinsam an Hochschulsportwochen teilgenommen. Das Verhältnis zu den Franzosen war hervorragend. Die Vereinbarung von Länderspielen war ein ganz normaler Vorgang.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie die beiden Länderspiele ausgegangen sind?
Die Ergebnisse weiß ich nicht mehr. Aber wir haben beide Spiele verloren. Soweit ich mich erinnern kann, hat diese Begegnung in Darmstadt auf einem Freiplatz stattgefunden.

Wie sah es damals aus mit dem Basketball in Darmstadt?
Darmstadt war zumindest in Südhessen führend. Neben dem BC Darmstadt wurde bei der Eintracht, beim FSV und bei Grün-Weiß gut und erfolgreich Basketball gespielt. Neben dem BCD waren in Südhessen Homburg und Hanau erfolgreich, und Groß-Gerau wurde vor allem bei den Damen sehr gut.

In Darmstadt hatten wir ja dann einige Zeit später (1993) mit Hansi Gnad einen Basketball-Europameister. Gab es Begegnungen zwischen Ihnen und Hansi Gnad?
Natürlich! Ich hatte Kontakte zu vielen Spielern aus diesem Team. Henrik Rödl, der heutige Basketball Bundestrainer gehört dazu. Auch Basketballer wie Holger Geschwindner und Dirk Nowitzki kenne ich sehr gut.

Bleibt für einen Basketball interessierten Fragesteller noch die Frage, ob Sie Gelegenheit hatten, das amerikanische Dream Team mit Michael Jordan einmal auf dem Parkett zu sehen?
Ich hatte mich mit dem Dream Team zunächst auf einer anderen Ebene zu beschäftigen. Ich war ja in Kommissionen der FIBA, dem Internationalen Basketball Verband, tätig, wo wir die Entscheidung zu fällen hatten, ob die amerikanischen Profi-Basketballer zu internationalen Wettkämpfen zugelassen werden sollten. Das wurde zunächst abgelehnt, aber später dann doch positiv beschieden. Das Dream Team selbst habe ich mehrfach spielen sehen.

Walther Tröger 2018 (Quelle: ADH)

"Ich habe die Zeit in Darmstadt sehr genossen."

Gibt es irgendwelche Anekdoten, die in Ihre Darmstädter Zeit fallen?
Da fällt mir spontan eine Begebenheit ein in Zusammenhang mit meinem Freund Karl-Friedrich Haas, einem Mittelstreckenläufer und Medaillengewinner bei Olympia, mit dem ich zusammen auch schon in Nürnberg gelaufen war. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 1952 suchte er mich in Darmstadt auf, weil er sich mit dem Gedanken trug, in Darmstadt zu studieren. Da wir ja beide noch aktiv Sport trieben, haben wir uns zu gemeinsamen Trainingseinheiten in Darmstadt verabredet. Die einzige Darmstädter Halle, in der in der Winterzeit trainiert werden konnte, lag auf dem Gelände der amerikanischen Streitkräfte. Der Eingang zu dem Gelände wurde von einem amerikanischen Soldaten bewacht, der uns mit der Frage „Have you pass?“ konfrontierte. Unser „No!“ wurde mit einem freundlichen „Okay.“ erwidert. So waren die Zeiten damals. Darmstadt war acht Jahre lang mein Leben.

Wo haben Sie gewohnt in Darmstadt?
Ich bin mehrfach umgezogen. Zuletzt habe ich in der Neckarstraße gewohnt. Während meiner Darmstädter Zeit habe ich auch geheiratet, allerdings nicht in Darmstadt.

Einen abschließenden Satz, bitte, zu Ihrer Darmstädter Zeit.
Ich habe die Zeit in Darmstadt sehr genossen. Und auch den Darmstädter Sport sehr gemocht.

Ein Ausflug in die Sportpolitik

Das Thema E-Sport hat im vergangenen Jahr für erhebliche Diskussionen gesorgt. Sollte E-Sport als Sportart beim DOSB Anerkennung finden oder sogar olympisch werden?
Für dieses Thema bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Als Laie ohne große interne Kenntnisse bin ich der Meinung, dass E-Sport nicht als Sportart anerkannt werden sollte. Aber ich werde eine mögliche Entwicklung in diese Richtung wohl nicht aufhalten können. Hinter dem E-Sport stecken große kommerzielle Interessen.

In der Leichtathletik gehen in den Wettbewerben über 800 und 1500 Meter der Frauen Personen an den Start, die optisch und von der Leistung her überaus männlich wirken. Macht es Sinn, diese Personen bei den Frauen starten zu lassen?
Dazu kann ich mich nicht äußern, da mir hier die Hintergrundinformationen fehlen. Ähnliche Fragenstellungen gab es schon vor Jahrzehnten bei den russischen Schwestern Press. Heute kommt das Thema „Divers“ noch hinzu. Wenn die Gesellschaft ein drittes Geschlecht akzeptiert, wird auch der Sport irgendwann nachziehen müssen.

In den Nationalteams mancher Länder hat es in verschiedenen Sportarten den Anschein, dass hier massiv und gezielt Sportler aus anderen Nationen eingekauft werden. Kann man diese Entwicklung stoppen?
Ob die Sportler tatsächlich eingekauft wurden, weiß ich nicht.

Bei einer der letzten Weltmeisterschaften im Handball gingen beispielsweise für Katar durchgängig Spieler an den Start, die kurz vorher eine andere Staatsangehörigkeit hatten.
Diesen Fall habe ich mir genau angesehen, habe auch interne Informationen zum Beispiel vom Präsidenten des Internationalen Handball Verbandes, einem guten Freund, bekommen. Es muss festgestellt werden, dass der tatsächliche Sachverhalt in diesem Fall von den Medien sehr missbräuchlich dargestellt wurde. Die Mannschaft aus Katar war aus sehr kleinen Verhältnissen im Vorfeld der Weltmeisterschaft aufgebaut und nicht eingekauft worden. Was in diesem Zusammenhang negativ berichtet wurde, ist nur zu einem Teil richtig gewesen. Es lohnt sich sicherlich, hier noch einmal intensiv zu recherchieren.

Zwei Männer für Olympia: Walther Tröger (links), Heiner Henze 2005

Mr. Olympia?

In verschiedenen Artikeln zu Ihrer Person werden Sie als „Mr. Olympia“ bezeichnet. Ergänzend wird angegeben, dass Sie persönlich diesen Titel als zutreffend ansehen.
Nein, das ist falsch. Ich habe mich nie dazu geäußert. Ich habe diesen Titel nicht geschaffen und bin auch nicht so ganz einverstanden damit. Es gibt durchaus andere Menschen, die noch viel mehr für Olympia gemacht haben als ich. Ich habe diese Bezeichnung nicht bewusst akzeptiert. Aber ich habe auch kein Interesse daran, das zu dementieren.

Von 1964 in Tokio bis heute waren Sie angeblich bei insgesamt 27 Olympischen Spielen vor Ort. Ist diese Zahl zutreffend?
Ja, seit 1964 waren es tatsächlich 27 Olympische Spiele. Ich habe in dieser Zeit nur zwei Veranstaltungen verpasst. Zum einen die Sommerspiele 1980 in Moskau, die ja von uns und vielen anderen westlichen Nationen boykottiert wurden. Zum anderen 2018 die Winterspiele in Pyeongchang. 2020 möchte ich aber den Kreis schließen und möglichst noch einmal bei den Sommerspielen in Tokio vor Ort sein.

Ich drücke ganz fest die Daumen, dass Sie dieses Vorhaben realisieren können. Vielen Dank für das Gespräch.
Gerne.


Das Gespräch mit Walther Tröger wurde am 22.03.2019 geführt; Gesprächspartner: Rainer Paepcke.
Text: Nachdruck und jegliche Art der Vervielfältigung und Weiterverbreitung (auch auszugsweise) nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Deutschen Olympischen Gesellschaft, Zweigstelle Darmstadt.