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Andreas Weber: Doping geschieht nicht unbemerkt

Bist du während deiner Karriere mit Dopingmitteln in Kontakt gekommen?
Ein Hausarzt hatte mir schon früh irgendwelche Medikamente verabreichen wollen. Mein Vater hat daraufhin den Kontakt zu meinem Trainer Janos Satori gesucht, der die Einnahme dieses Mittels aber strikt abgelehnt hat. Um was genau es sich bei diesem Mittel gehandelt hat, weiß ich nicht. Ich bin aber froh, es nicht genommen zu haben.

Also keine unerlaubten Mittel?
Das einzige Mittel, an das ich mich erinnern kann, war Multibionta, ein Vitaminpräparat von der Firma Merck. Geschmeckt hat es mir nicht, und ob es irgendwelche Auswirkungen auf mein Leistungsvermögen gehabt hat, glaube ich eher nicht.

Bist du jemals einem offiziellen Doping-Test unterzogen worden?
Ja, Urintests, die aber weit lockerer als heute gehandhabt wurden.
Bei mir stand mindestens einmal im Jahr ein Gesundheits-Check an, mit Fahrrad-Ergometer und ähnlichem. Im Grunde war das ein Fitnesstest; Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenz wurden gemessen.

Wurde Doping unter den Schwimmern thematisiert?

Unter uns Sportlern wurde Doping nicht thematisiert. Ich persönlich wusste Anfang der 70er Jahre überhaupt nichts über das Thema. Möglicherweise war ich zu diesem Zeitpunkt auch einfach zu naiv. Später hörte ich dann, dass andere Sportler ihre Leistung mit Eigenblut gesteigert hatten.

In einigen Ländern wurde ja bereits 1972 in großem Umfang mit der Einnahme verbotener Substanzen experimentiert. Kann man den betroffenen Sportlern einen Vorwurf machen?
Ich glaube, dass die Sportler gewusst oder zumindest geahnt haben, dass sie leistungssteigernde Mittel zur Anwendung kamen.

Die Sportlerinnen und Sportler waren in vielen Fällen aber noch blutjung, als ihnen diese Mittel verabreicht wurden.

Trotzdem: Gerade junge Menschen müssen doch einen Muskelzuwachs bemerken, der sich in kürzester Zeit einstellt. Und wenn junge Frauen plötzlich einen Bartwuchs bei sich feststellen, muss man doch irgendwie nach dem Grund forschen. Vor allem die Eltern hätten hier mehr hinterfragen und Verantwortung übernehmen müssen. Die betroffenen Menschen tun mir Leid, aber in letzter Konsequenz war das auch immer eine individuelle Entscheidung. Jeder Sportler muss mit sich selbst ausmachen, ob er sich hier missbrauchen lässt und die Folgen und Spätfolgen tragen will.

Waren die Sportlerinnen und Sportler, zum Beispiel in der DDR, in diesem Zusammenhang tatsächlich in der Lage eine freie Entscheidung zu treffen? Vor die Wahl gestellt, eine großartige sportliche Karriere anzugehen oder etliche gravierende Einschränkungen für sich und seine Familie hinnehmen zu müssen, ist eine richtungsweisende Entscheidung gegen Sport und Doping sicher nicht einfach.
Vielleicht haben sich manche Athleten nach Abwägen der verschiedenen Optionen tatsächlich bewusst für die Einnahme verbotener Mittel entschieden. Wer schaut schon in die Köpfe anderer Menschen! Über die schädlichen Langzeitwirkung war ja zu Beginn der 1970er Jahre nichts oder nur sehr wenig bekannt. Wenn mir im Vorfeld der Olympischen Spiele jemand zugesichert hätte, dass ich garantiert eine Medaille gewinne, wenn ich dieses oder jenes Mittel einnehme, wäre ich ja möglicherweise auch schwach geworden. Aber derartige Gedankenspiele sind ja rein hypothetischer Natur. Hätte, hätte, Fahrradkette ...
Wahrscheinlich hätte man in diesem anderen System leben müssen, um das Thema überhaupt beurteilen zu dürfen.

Anti-Doping Agentur: Nur ein zahnloser Tiger?

Was muss sich im Weltsport ändern, damit international Chancengleichheit besteht?
Eine umfassende Lösung für das Dopingproblem gibt es aus meiner Sicht nicht.

Dein Vater war Rennrad-Fahrer, du warst auch lange Zeit von den Fahrern bei der Tour de France begeistert. Wie siehst du die Frankreich-Rundfahrt heute?
Sehr differenziert. Im Grunde ist in dieser Sportart in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren zu viel passiert. Ob heute alle Fahrer sauber sind, muss zumindest angezweifelt werden. Aus meiner Sicht lässt sich eine Rundfahrt wie die Tour de France ohne die Einnahme leistungssteigernder Mittel gar nicht auf Höchstniveau absolvieren.

>>> Andreas Weber: Von richtigen Heinern und einem Startblock im Garten