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Eine wahrhaft olympische Veranstaltung mit Teilnehmern aus mehreren Nationen

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Andreas Weber: Lufthansa - 39 Jahre über den Wolken

Andreas Weber in Uniform

Wie kamst du zur Lufthansa?
Per Zufall war ich an einen Job im Schulungszentrum der Lufthansa in Seeheim gekommen. Irgendwann habe ich dann als Stewart beim fliegenden Personal angefangen können. Das Thema Fliegen hat mich seitdem nie mehr losgelassen. Nach zehn Jahren bin ich zum Purser aufgestiegen.

Was ist ein Purser?
Als Purser bist du der ranghöchste und damit leitende Flugbegleiter und agierst als Schnittstelle zwischen der Cockpit-Crew und dem Bordpersonal. Bei der Lufthansa gibt es eine Unterteilung zwischen Kurzstrecken- und Langstrecken-Purser. Zu Ende meines Berufslebens war ich im Airbus A380 ausschließlich auf Langstrecken eingesetzt.

>>> Die Aufgaben eines Pursers (wikipedia)

Erlebnisse an Bord und am Boden

Gab es besondere Erlebnisse an Bord?
Ich habe einen Beinahe-Zusammenstoß in der Luft mitgemacht, bei der mehrere Personen verletzt wurden. In dieser Situation wurde ein Ausweichmanöver erforderlich, das sich in der Kabine wie maximale Turbulenzen anfühlte. Danach war ich fast ein Jahr lang fluguntauglich.

>>> Offizieller Bericht von NTSB (National Transportation Safety Board)

Ein anderes einschneidendes Erlebnis hatte ich außerhalb der Kabine. Nine Eleven, also die Anschläge auf das World Trade Center in New York 2001, habe ich vor Ort erlebt. Nach einem Transatlantikflug hatten wir standardmäßig 24 Stunden Ruhezeit in New York. An jenem 11. September hatte ich gemeinsam mit einigen anderen Crew-Mitgliedern eine Auffahrt zur Aussichtsplattform im World Trade Center geplant. Wir haben dann entsetzt die brennenden Türme gesehen. Und die Menschen, die sich in ihrer Verzweifelung in die Tiefe stürzten, weil ihnen der Fluchtweg durch Brände in den weiter unter gelegenen Etagen abgeschnitten war. Ein fürchterliches, ein einschneidendes Erlebnis.
JFK, der New Yorker Flughafen blieb nach den Anschlägen mehrere Tage lang für internationale Flüge gesperrt. Die Lufthansa hatte der gesamten Crew angeboten uns als „normale“ Passagiere zurückzuholen. Wir haben dann intern abgestimmt und den Rückflug nach Frankfurt „on duty“, also im Arbeitseinsatz, absolviert.

Immer gesprächsbereit

Wie geht man mit ausfällig werdenden oder randalierenden Passagieren um?
Randale an Bord ist täglich Brot. Hier und da habe ich einem Passagier androhen müssen, ihn bei einer außerplanmäßigen Zwischenlandung abzusetzen, aber dazu ist es zum Glück nie gekommen. Natürlich gibt es bei der Lufthansa Seminare, die den Umgang mit „außergewöhnlichen“ Fluggästen thematisieren. Im Laufe der Jahre entwickelt man in diesen Situationen zudem eine gewisse Routine. In jedem Fall muss man die im Umfeld sitzenden Passagiere beobachten. An deren Reaktionen kann man ziemlich sicher ablesen, ob das eigene Verhalten angemessen ist und von den anderen Fluggästen akzeptiert wird. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ein unbeteiligter Fluggast aufgestanden ist und einem Querulanten Schläge angedroht hat. In dieser Situation und in allen ähnlich gelagerten Fällen muss man natürlich für eine umfassende Deeskalation sorgen. Die etwas anderen Passagiere werden an Bord mit dem Fachbegriff "unruly“ bezeichnet.

Das hört sich aber überhaupt nicht nach einem lauen Job an!
Insgesamt haben die positiven Erfahrungen und Erlebnisse beim Fliegen weit überwogen. Dauerhafte Freundschaften, sagenhafte Landschaften bei den Aufenthalten in fremden Ländern oder intensive Ausblicke aus dem Cockpit am Tag und in der Nacht, mit Nordlichtern und Elmsfeuern.

Gastspiel beim Produktmanagement

Du hast also über den Wolken deinen Traumberuf ausüben können?
Ja, ich habe nur ein einziges Mal für einen längeren Zeitpunkt auf den Job in der Kabine verzichtet. 1996/97 habe ich ein halbes Jahr lang für das Produktmanagement gearbeitet. Das Ganze fand im Rahmen der Produktinitiative 96/97 statt.

Um was ging es da?
Auf der Kurzstrecke wurde damals die neue Business Class eingeführt. Die Einführung wurde mit großem Aufwand publiziert. Und ich war quasi das Gesicht der Produkteinführung. Das entsprechende Fotoshooting hat fast einen ganzen Tag in Anspruch genommen. Die Produktinitiative brachte nicht nur Neuerungen und Verbesserungen in der Kabine, sondern in allen Bereichen der Fliegerei.


Fotoshooting zur Vertriebsaktion:mal ernst, mal lächelnd

Lieblingsziele, Jetlag und Verabschiedung

Gibt es ein ausgesprochenes Lieblingsziel?
Am Ende waren es Singapur und Johannesburg.

Wie sah es mit dem Jetlag aus?
Jeder, der zwischen Zeitzonen hin und her pendelt, weiß, dass man sich sofort dem lokalen Rhythmus anpassen muss. Wer sich zwischendurch hinlegt und einige Stunden schläft, hat verloren. Das ist nicht immer leicht und erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Möglichst nicht rauchen, kaum Alkohol und viel Sport sind die Basis für eine gute körperliche Konstitution, die dazu beiträgt, den ständigen Zeitzonen-Wechsel zu verarbeiten. Nicht jeder verkraftet die ständige Zeitumstellung. Als Konsequenz bleibt dann nur sich aus dem Langstreckengeschäft zurückzuziehen.

Du hast mir ein Foto gezeigt, auf dem du und andere Crew-Mitglieder in der Maschine mit einem Sektglas abgebildet sind. Ist Alkohol im Dienst erlaubt?
Nein, natürlich nicht. Wir dürfen während des Dienstes keinen Alkohol trinken. Bei besonderen Anlässen, kann der Kapitän eine Sonderregelung erlassen; aber erst, wenn die Passagiere das Flugzeug verlassen haben und alle notwendigen Aktivitäten komplett abgeschlossen sind. Dann kann man möglicherweise mal zusammen einen Schluck Champagner trinken. Bei meiner Verabschiedung war das so. Und in seltenen Fällen auch dann, wenn ein besonderer Passagier nach dem Flug gemeinsam mit der Besatzung anstoßen möchte.

Wie lange warst du im Bereich Flugbegleitung für die Lufthansa im Einsatz?
39 interessante Jahre. Den Abschied werde ich niemals vergessen: Zu meiner Crew in der Kabine gehörte meine Tochter Frederike, die als Purserette I meine Stellvertreterin war.

Tochter und Kollegin
Verabschiedung: Mit Frau und Tochter an Bord
Verabschiedung: Mit Crew und Familie