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Neckaralb

Eine wahrhaft olympische Veranstaltung mit Teilnehmern aus mehreren Nationen

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Andreas Weber: Mädchenmannschaft, Woog, Triathlon und Wörthersee

Quelle: Darmstädter Echo

Wie bist du zum Schwimmen gekommen?
Für die Bundesjugendspiele mussten wir einmal im Jugenheimer Freibad 50 Meter schwimmen. Der Sportlehrer war von meiner Zeit sehr angetan und hat mir empfohlen, doch einem Schwimmverein beizutreten. Meine Großmutter war seit den frühen Jahren Mitglied im Darmstädter Schwimmverein, dem DSW, gewesen und ist dann mit mir in das damalige Zentralbad, das heutige Jugendstilbad getigert. Dort fand gerade ein Prüfungsschwimmen für Kinder und Jugendliche statt. Ich durfte dann in einer Stilart, ich glaube es war Kraul, ins Becken und habe eine Zeit geschwommen, die in diesem Jahr kein anderes Vereinsmitglied in meiner Altersklasse erreicht hatte. Und schon war ich ein willkommenes Vereinsmitglied.

Ein Blitzstart in die Schwimmkarriere!
Ja, aber ich musste schon sehr bald erkennen, dass ich noch so einiges zu lernen hatte. Ich hatte überhaupt keine Ausdauer und fand mich schon bald in der dritten Mädchenmannschaft wieder. Im Laufe der Zeit habe ich dann aber konditionell zugelegt und mich allmählich in die erste Mannschaft bei den Jungen hinein geschwommen.

Eberstadt 1969, Andreas Platz 1
Eberstadt 1969, Andreas vorne
Eberstadt 1969, (Andreas rechts)
Eberstadt 1969, Andreas rechts

Wie verlief die schwimmerische Entwicklung weiter?
1968 hatte ich Glück. Werner Freitag und Heike Hustede-Nagel bereiteten sich im Mühltalbad auf die Olympischen Spiele vor. Werner Freitag hat während der gesamten Vorbereitung bei uns in Seeheim gewohnt. Janos Satori, unser Trainer im DSW, hat die Gelegenheit genutzt und mich in das Vorbereitungsprogramm mit eingebunden. Das intensive Training hat bei mir zu einem Leistungsschub geführt.
1969 /1970 hatte ich dann dummerweise einen Skiunfall, der mich total zurückgeworfen hat. Nach den positiven Jahren mit kontinuierlichen Verbesserungen hatte ich erst einmal längere Zeit damit zu tun, mein früheres Leistungsvermögen wieder zu erreichen.

Trainingsaufenthalt in Los Angeles

Und dann war ja die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 in München ganz sicher ein wichtiges Ziel!
Im Zuge der Vorbereitung auf München 1972 empfahl mir der Trainer Janos Satori, einen längeren Trainingsaufenthalt bei Peter Daland in den USA einzulegen.

Warum gerade bei diesem Trainer?
Daland und Satori waren befreundet. Auch „Little“ Klein war etliche Jahre zuvor bei Peter Daland in den USA gewesen und hatte seine Form für Tokio 1964 aufgebaut. Empfehlung genug für ein erfolgreiches Training! Im April 1971 bin ich dann erstmals nach Los Angeles geflogen. Ich wurde Mitglied im renommierten Los Angeles Athletic Club, wo die Grundlagen für meine Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften 1972 gelegt wurden, die dann ja zur Qualifikation für die Olympischen Spiele führten.

Wer hat den USA-Aufenthalt finanziert?
Zwischen April 1971 und Januar 1972 war ich zweimal für jeweils vier Monate in Los Angeles. Meine Eltern und, so weit ich weiß, die Deutsche Sporthilfe haben diese Trainingsaufenthalte finanziert.

Gut angekommen
Gut angezogen
Mitglied im Los Angeles Athletic Club

Deutsche Meisterschaften 1972

Bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften 1972 hattest du fünf Titel über verschiedene Strecken in den Disziplinen Kraul, Delphin und Lagen gewonnen. Sind die Deutschen Meisterschaften 1972 dann erwartungsgemäß verlaufen?
Auf jeden Fall sind sie positiv verlaufen. Ich habe mich erst kurz vor den Meisterschaften dazu entschlossen, mich voll und ganz auf das Rückenschwimmen zu konzentrieren und mich als Rückenschwimmer für die 4 x 100 Meter Lagenstaffel bei Olympia zu qualifizieren. Der Plan ging auf, denn bei den Deutschen Meisterschaften schlug ich im Finale als Erster an. Dieser Titel und der dritte Platz über 200 Meter Lagen in der vorgegebenen Qualifikationszeit bedeuteten das Olympiaticket. Und drei Starts über 100 Meter Rücken, 200 Meter Lagen und in der 4 x 100 Meter Lagenstaffel.

1972 bist du über 100 Meter Rücken 1:01,8 Minuten geschwommen. Der Deutsche Meister 2017 schwamm auf dieser Strecke 54,27 Sekunden und der Weltrekord liegt noch einmal rund 2,5 Sekunden darunter. Warum schwimmt man heute schneller?
Zum einen liegt das an der Wende. Früher musste man noch mit der Hand anschlagen, heute muss nur irgendein Körperteil die Wendemarke berühren. Mit der richtigen Technik spart man allein bei der Wende schon erhebliche Zeit ein. Natürlich ist auch die Trainingsmethodik weiter voran geschritten. Krafttraining lag zu meiner Zeit noch in den Kinderschuhen, heute ist es wichtiger Bestandteil im Training.

Allrounder: Kraul

Wie hoch war dein Trainingsaufwand 1972?
Zwei Trainingseinheiten am Tag, einmal vormittags, einmal nachmittags, insgesamt so um die fünf Stunden täglich. Sonntags war trainingsfrei. Vor großen Wettkämpfen war ausschließlich Schwimmen angesagt. Heute sieht das sicher ganz anders aus. Auch wenn der Zeitaufwand bei den heutigen Top-Schwimmern vielleicht nicht bedeutend höher ist als zu meiner Zeit, so basiert der Trainingsaufbau doch in weitaus höherem Maße auf wissenschaftlichen, medizinischen Erkenntnissen. Das Training ist heute sicher effektiver als in den 70er Jahren. Wenn heute mit Unterwasserkameras jede Bewegung im Becken aufgezeichnet und später analysiert werden kann, dann muss das bei richtiger Analyse ja Verbesserungen nach sich ziehen. Selbst eine ganz normale Videoanalyse war zu meiner Zeit die Ausnahme.

Wo bewahrst du die Medaillen und Urkunden aus deiner aktiven Zeit auf?
Da bin ich fast überfragt. Aber ich habe zumindest eine Idee, wo sie sich befinden könnten.

Allrounder: Rücken

Schwimmtraining, Sporthilfe und der Führerschein mit 16

Wo fand das Schwimmtraining statt?
Im Winter waren wir im heutigen Jugendstilbad. Das Nordbad gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, es wurde erst im Winter 1971/72 eröffnet. Im Sommer wurde im Woog trainiert, unabhängig von den Temperaturen. Nach dem Training stand dann eine heiße Dusche auf dem Programm, die aber erst nach Einwurf eines Zehners aktiv wurde. Der Kasten, der die Münzen aufnehmen sollte, war zwar mit einem Schloss gesichert, aber man konnte die Box doch ein wenig von der Wand abziehen und ein dünnes Blech einführen. Über dieses Blech wurde dann der Zehner wieder nach außen geleitet. Der Betreiber der Duschanlage hat sich über die unerwartet geringen Einnahmen bestimmt eine ganze Weile gewundert.

Bist du als aktiver Sportler unterstützt worden?
Während meiner aktiven Zeit durfte man als Sportler ja kein Geld annehmen, da man sonst den Amateurstatus verlor, was einen Ausschluss von den Olympischen Spielen zur Folge hatte. Erlaubt war eine Unterstützung durch die Deutsche Sporthilfe. Meine Mutter reichte dort Rechnungen für Ernährung, Straßenbahntickets von Fahrten zum Training und für verschiedene andere Dinge ein. So weit ich mich erinnern kann, lag der Höchstbetrag der Sporthilfe damals bei 300 DM, jede Ausgabe musste belegt sein.
Als Unterstützung im weiteren Sinne muss man sicherlich auch werten, dass ich schon mit 16 Jahren meinen Pkw-Führschein bekommen habe. Allerdings mit Einschränkungen: Ich durfte nur allein im Auto sitzen, keine anderen Personen mitnehmen. Außerdem galt die Genehmigung nur für die Strecke von Seeheim bis zum Trainingsbad. Und das auch nur in der Zeit von 6 – 22 Uhr.

Allrounder: Schmetterling

Du hattest als 16jähriger schon ein eigenes Auto?
Nein, nein, das Auto gehörte der Familie. Meine Eltern haben die Zahlungen der Sporthilfe aber zur Seite gelegt und nach den Olympischen Spielen 1972 einen Citroen 2CV für mich angeschafft.

Hast du mit DSW-Schwimmern aus deiner aktiven Zeit heute noch Kontakt?

Wir versuchen uns einmal im Jahr, meist im Oktober zu treffen und über Gott und die Welt zu reden. Darmstädter Schwimmerinnen und Schwimmer, die ihr Bestleistungen in den 50er, 60er und 70er Jahren hatten, sind dann vor Ort. Das ist neben dem Schwimmen im Trainingsbad unser regelmäßiges schwimmerisches „Ehemaligentreffen“.

Dem DSW die Treue gehalten

Wie hast du dich nach Olympia in deinen Verein, den DSW, eingebracht?
Ich bin noch etliche Jahre in verschiedenen Mannschaften für den DSW angetreten und habe den Verein immer wieder bei Altersklassen-Meisterschaften vertreten.

Hast du dein Wissen auch als Trainer weitergegeben?

Nein. Das lag nicht zuletzt an meinen häufigen Abwesenheiten. Als ein Teil des fliegenden Personals konnte ich keine regelmäßigen Trainingsstunden garantieren, und die Ergebnisse wären dann weder für die Schwimmer noch für mich als Trainer zufriedenstellend ausgefallen.

Aber dem DSW warst du weiterhin verbunden?
Ja, ich habe für den Verein beispielsweise eine Benefiz-Veranstaltung im halbNeun Theater organisiert, bei der wir etwa 3000 Euro eingenommen haben. Vor etwa zehn Jahren habe ich mich einmal als stellvertretender Abteilungsleiter Schwimmen zur Verfügung gestellt. In dieser Periode habe ich dann für kurze Zeit auch kommissarisch als Abteilungsleiter gewirkt.

Bestehen heute noch Kontakte zum Verein?
Ich bin nach wie vor Mitglied im DSW, bin im Ältestenrat, schwimme heute aber mehr oder weniger nur zu meinem eigenen Vergnügen. Den Verein habe ich nie gewechselt. Obwohl ich vor nicht all zu langer Zeit einen Austritt in Erwägung gezogen habe.

Was war passiert?
Ein Mitglied des Abteilungsvorstands Schwimmen hatte mich in einer persönlichen E-Mail massiv angegangen. Bis heute ist das Thema nicht aus der Welt, für mich steht hier noch eine Entschuldigung aus.

Um wen und um was ging es dabei?
Darüber möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen.

Auf was hast du zu Gunsten des Sports verzichten müssen?
Ich habe mich schon ab und zu gefragt, warum ich das eigentlich mache. Ich war an Trainingtagen jeweils bis zu acht Stunden unterwegs, und von den Trainingstagen gab es sechs Stück pro Woche. Um das auf sich nehmen zu können, ist es sehr hilfreich, wenn man ein persönliches Ziel vor Augen hat. Aber jede Sportlerin, jeder Sportler muss die Frage nach der persönlichen Motivation mit sich selbst ausmachen.

Viele hoffnungsvolle Athleten haben die Frage damit beantwortet, dass sie frühzeitig aus dem Leistungssport ausgestiegen sind.
Es ist nicht immer einfach, wenn man sieht, dass sich die Kumpels zum Bier treffen oder in die Disco gehen. Für einen Leistungssportler ist das natürlich tabu, als Leistungssportler bist du abends ab 10 oder 11 Uhr im Bett. Ich habe das mit der Disco später nachgeholt: Mitte der 70er war ich für rund drei Jahre Discjockey in der Darmstädter Diskothek „Smugglers“, immer mittwochs, freitags und sonntags.

Wie fällt dein Fazit zur Schwimm-Karriere aus?
Der Sport hat mir sehr viel gegeben, viele Bekanntschaften, schöne Erlebnisse und Erfahrungen, von denen ich in meinem späteren Leben profitiert habe.

Triathlon: Ungeliebte Laufstrecke

Triathlon, Flossenschwimmen und quer durch den Wörthersee

Wie hast du dich nach deiner aktiven Zeit fit gehalten?
Ich bin weiterhin mit reduziertem Einsatz geschwommen, habe mich aber hier und da auch in anderen Sportarten versucht. Unter anderem im Triathlon.

Wie kamst du zum Triathlon?

Ich glaube, das war 1987, da hatte ich keine Lust mehr auf Fliesenzählen im Schwimmbecken. Meine Beine waren beim Schwimmen immer top gewesen, und ich hatte gemerkt, dass ich sehr gut Radfahren konnte. Auch wenn das Laufen nicht zu meinen Lieblingsdisziplinen gehört, bot sich Triathlon doch geradezu an. Vor drei Jahren habe ich meinen letzten Triathlon bestritten. Ich schließe aber nicht aus, dass ich noch einmal in diesen Sport einsteige, aber ohne Druck und Ambitionen und mit reduzierter Herzfrequenz.

Über welche Distanz, bei welchen Veranstaltungen bist du gestartet?

Gestartet bin ich über die Sprint-Distanz und nur bei Veranstaltungen in der Region. Den „Mühlchen-Triathlon“ in Darmstadt habe ich ein paar Mal gewonnen. Beim „Heinerman“ und beim „Datterich Triathlon“ war ich ebenso dabei wie beim „Traisathlon“ in Mühltal.

Erfolgreiche Wörthersee-Querung
Urkunde Bodenseequerung

Hättest du gern einmal am Ironman auf Hawaii teilgenommen?
Nein, wirklich nicht. Man muss ja auch realistisch sein. Für die Qualifikation für diese Veranstaltung wäre ein viel zu hoher Trainingsaufwand erforderlich gewesen.

Gab es weitere sportliche Betätigungsfelder?

Ja, aber alle hatten einen Bezug zum Wasser.
Flossenschwimmen und Streckentauchen hat mich immer angezogen. Einmal konnte ich hierbei sogar eine Deutsche Meisterschaft gewinnen. Ich bin meines Wissens der einzige Schwimmer, der bei den „normalen“ Schwimmern im Becken und bei den Flossenschwimmern und Streckentauchern Deutscher Meister war. Unsere beiden Töchter waren im Flossenschwimmen auch erfolgreich, sie haben jeweils einen Hessentitel gewonnen.
Der Schwimmsport ist sehr facettenreich, und ich habe viele weitere Dinge ausprobiert.

Zum Beispiel?
Im Jahr 2002 habe ich noch an den Weltmeisterschaften der Masters im Freiwasserschwimmen auf der Ruderregattestrecke in München teilgenommen. Bei 15 Grad Wassertemperatur. Das war mit dem Schwimmen im Becken überhaupt nicht vergleichbar, aber auch gerade deswegen für mich interessant.
Beim Bodenseequerschwimmen habe ich den zweiten Platz belegt, und die Seequerung Wörthersee konnte ich mehrfach gewinnen. Eine Zeitlang habe ich bei der Querung von Süd nach Nord die Bestzeit gehalten. Das letzte Mal bin ich dort vor sechs oder sieben Jahreng gestartet.

>>> Andreas Weber: Olympia - Platz 19 aus heutiger Sicht eine Sensation